Veröffentlicht am März 11, 2024

Die Befähigung des Vertriebs zu eigenen Analysen blockiert die IT nur, wenn ein operatives Governance-Framework fehlt.

  • Der Schlüssel liegt in „geführter Autonomie“, bei der die IT die Architektur vorgibt, der Vertrieb aber innerhalb klarer Leitplanken frei agieren kann.
  • Nutzerzentrierte Dashboards und automatisierte Datenqualitäts-Prozesse sind die technischen Grundpfeiler, um Ad-hoc-Anfragen drastisch zu reduzieren.

Empfehlung: Implementieren Sie ein rollenbasiertes Zugriffsmodell (RBAC) und dedizierte „Sandkasten“-Umgebungen. So vereinen Sie Agilität und Kontrolle und machen die IT vom Gatekeeper zum Enabler.

Die Anfragen aus dem Vertrieb stapeln sich auf Ihrem Tisch: „Können wir schnell eine Auswertung zur Churn-Rate in Q3 haben?“, „Ich brauche die Performance-Daten der letzten Kampagne, aber aufgeteilt nach Regionen.“ Jede dieser Anfragen bedeutet für Ihre IT-Abteilung eine Unterbrechung, einen Kontextwechsel und letztlich einen weiteren Eintrag in einer bereits überfüllten Ticket-Queue. Der Ruf nach „mehr Dashboards“ oder der schnellen Lizenzierung eines neuen BI-Tools wird lauter. Doch diese taktischen Manöver behandeln nur Symptome, nicht die Ursache des Problems: einen fundamentalen Konflikt zwischen dem Bedürfnis des Vertriebs nach Agilität und der Notwendigkeit der IT, Kontrolle, Sicherheit und Datenintegrität zu gewährleisten.

Doch was, wenn die Lösung nicht darin besteht, einfach nur Werkzeuge zu verteilen, sondern eine autonome Daten-Raffinerie zu errichten? Ein System, das dem Vertrieb nicht nur Rohdaten, sondern geführte Autonomie an die Hand gibt. Der Paradigmenwechsel liegt darin, die IT nicht länger als Flaschenhals, sondern als Architekt eines Ökosystems zu sehen, in dem der Vertrieb selbst zum Analysten seiner eigenen Erfolge und Misserfolge wird. Es geht nicht darum, die Kontrolle abzugeben, sondern sie intelligenter zu gestalten. Die wahre Herausforderung – und die grösste Chance für Sie als CIO – ist der Aufbau eines operativen Governance-Frameworks, das diesen Spagat meistert.

Dieser Artikel skizziert den strategischen Weg für CIOs, eine solche Datenkultur zu etablieren. Wir beleuchten, wie Sie die technischen und organisatorischen Leitplanken setzen, damit Ihr Vertriebsteam eigenständig valide Analysen durchführen kann, ohne die Stabilität und Sicherheit Ihrer IT-Infrastruktur zu kompromittieren. Es ist ein Plan, um Ihre IT vom reaktiven Dienstleister zum proaktiven Befähiger der gesamten Organisation zu transformieren.

Warum sind Daten das neue Öl, aber nur, wenn man sie raffinieren kann?

Die Metapher „Daten sind das neue Öl“ ist allgegenwärtig, doch sie ist unvollständig. Rohöl ist eine klebrige, kaum nutzbare Masse. Sein wahrer Wert entsteht erst in der Raffinerie, wo es zu Benzin, Kerosin oder Kunststoffen veredelt wird. Für Unternehmensdaten gilt exakt dasselbe. Ein Data Lake voller Rohdaten ist für den Vertrieb nutzlos oder sogar gefährlich. Der Wert entsteht erst durch einen strukturierten Veredelungsprozess – eine Daten-Raffinerie, die aus rohen Kontaktinformationen und Verkaufszahlen präzise Handlungsempfehlungen destilliert. Die steigende Dringlichkeit dieses Prozesses ist unübersehbar, was eine Studie von Gartner bestätigt, laut der die Nutzung von Analytics und BI durch Mitarbeiter um 87 % gestiegen ist. Dies zeigt den unaufhaltsamen Drang der Fachabteilungen, Daten selbst zu nutzen.

Die Aufgabe der IT ist es, diese Raffinerie zu bauen. Das bedeutet, nicht nur Datenquellen anzubinden, sondern ein Framework zu schaffen, das Daten systematisch validiert, anreichert, kontextualisiert und schliesslich in einer verständlichen Form bereitstellt. Nur so kann der Vertrieb aus einem Wust von Informationen verlässliche Signale ableiten. Ein Vertriebsmitarbeiter muss auf einen Blick erkennen können, welcher Lead die höchste Abschlusswahrscheinlichkeit hat oder welcher Kunde am stärksten von Abwanderung bedroht ist. Ohne diese Veredelung führt der direkte Zugriff auf Rohdaten zu Fehlinterpretationen, falschen Prioritäten und letztlich zu einem tiefen Misstrauen gegenüber datengestützten Entscheidungen. Die Demokratisierung von Daten bedeutet nicht, jeden an den Rohöltank zu lassen, sondern jedem einen Zapfhahn mit dem richtigen Kraftstoff zur Verfügung zu stellen.

Ihr Fahrplan zur Daten-Raffinerie im Vertrieb

  1. Technologie-Fundament schaffen: Implementieren Sie zentrale CRM-Systeme wie Salesforce oder HubSpot und sorgen Sie für eine systematische, lückenlose Nutzung als „Single Source of Truth“ für alle kundenbezogenen Aktivitäten.
  2. Prozess-Governance etablieren: Definieren Sie klare Datenerfassungsrichtlinien (z.B. Pflichtfelder, Namenskonventionen) und führen Sie automatisierte Qualitätskontrollen ein, um die Datenintegrität von Anfang an sicherzustellen.
  3. Datenkompetenz aufbauen: Schulen Sie das Vertriebsteam gezielt im Umgang mit den Analyse-Tools und in der Interpretation der wichtigsten Kennzahlen. Fördern Sie eine Kultur, in der datengestützte Argumente zählen.
  4. Kern-KPIs definieren: Legen Sie gemeinsam mit dem Vertrieb die entscheidenden Metriken wie Conversion Rate, Lead-Qualität und Customer Lifetime Value fest, die als Leitplanken für alle Analysen dienen.
  5. Automatisierung vorantreiben: Nutzen Sie automatisierte Prozesse für Aufgaben wie Lead Scoring und Follow-up-Erinnerungen, um eine konsistente Datenqualität zu gewährleisten und manuelle Fehlerquellen zu minimieren.

Wie gestalten Sie Dashboards, die auch ohne SQL-Kenntnisse bedienbar sind?

Die Antwort auf die Analysebedürfnisse des Vertriebs ist nicht einfach „ein Dashboard“. Es ist die Gestaltung einer interaktiven Analyseumgebung, die wie ein Gespräch funktioniert. Ein Vertriebsmitarbeiter hat eine Frage – „Welche meiner Top-Deals sind im letzten Monat ins Stocken geraten?“ – und das System muss ihm erlauben, die Antwort durch Klicks und Filter zu finden, nicht durch das Schreiben von Code. Das Konzept dahinter ist die „geführte Autonomie“: Die IT definiert die Datenmodelle, die Logik und die verfügbaren Dimensionen im Hintergrund, während der Nutzer an der Oberfläche eine intuitive, visuelle Abfragestrecke vorfindet.

Ein effektives Self-Service-Dashboard zeichnet sich durch drei Merkmale aus. Erstens, kontextsensitive Filter, die sich dynamisch anpassen. Wählt ein Nutzer „Region Süd“, sollten nur die Vertriebsmitarbeiter und Produkte dieser Region zur Auswahl stehen. Zweitens, Drill-Down-Pfade. Der Nutzer startet mit einer Helikopter-Perspektive (z.B. Gesamtumsatz) und kann mit einem Klick in tiefere Ebenen eintauchen – bis hin zum einzelnen Deal oder Kundenkontakt. Drittens, visuelle Eindeutigkeit. Anstelle von überladenen Tabellen sollten klare Grafiken, Trendpfeile und Farbcodes (z.B. Rot für negative Abweichungen) die wichtigsten Botschaften auf einen Blick vermitteln. Die IT agiert hier als Architekt der Benutzeroberfläche, der die Komplexität der Daten in eine einfache, logische User-Journey übersetzt.

Intuitives Business-Dashboard zeigt Vertriebsdaten in übersichtlicher Visualisierung

Diese visuelle Aufbereitung ist mehr als nur Ästhetik; sie ist ein integraler Bestandteil der Governance. Indem Sie die möglichen Analysepfade und Visualisierungsformen vordefinieren, stellen Sie sicher, dass die Nutzer nicht durch falsche Korrelationen oder ungeeignete Diagrammtypen zu Fehlschlüssen gelangen. Das Ziel ist es, dem Vertrieb ein mächtiges Werkzeug an die Hand zu geben, das so einfach zu bedienen ist wie eine App auf dem Smartphone, aber auf einem robusten und von der IT validierten Datenfundament aufbaut.

Offene Datenkultur oder Silo-Schutz: Wie viel Zugriff verträgt der Datenschutz?

Die grösste Sorge eines CIOs bei der Daten-Demokratisierung ist der Kontrollverlust, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und Compliance (DSGVO). Die Angst, dass sensible Kundendaten in die falschen Hände geraten oder falsch interpretiert werden, führt oft zu einer restriktiven Silo-Mentalität. Doch diese blockiert Innovation und Agilität. Der richtige Weg ist nicht ein „Entweder-oder“, sondern ein intelligentes „Sowohl-als-auch“. Eine Gartner-Analyse zur Governance von Self-Service Analytics bestätigt, dass Organisationen genau mit dieser Balance zwischen Agilität und Kontrolle ringen. Die Lösung liegt in einem dynamischen, rollenbasierten Zugriffskonzept (Role-Based Access Control, RBAC), das über simple Ja/Nein-Entscheidungen hinausgeht.

Anstatt den Zugriff auf ganze Datenbanken zu gewähren oder zu verwehren, definiert ein modernes Governance-Framework, wer welche Daten auf welcher Detailebene sehen darf. Ein Vertriebsleiter benötigt beispielsweise eine aggregierte Sicht auf die Performance seines gesamten Teams, während ein einzelner Vertriebsmitarbeiter nur seine eigenen Deals und Kundenkontakte im Detail sehen sollte. Techniken wie Datenmaskierung oder Anonymisierung können dabei helfen, sensible Informationen (z.B. exakte Adressen) für bestimmte Nutzergruppen auszublenden, ohne den analytischen Wert der Daten zu zerstören. Ein weiterer entscheidender Baustein sind „Sandkasten“-Umgebungen. Dies sind sichere Testbereiche mit anonymisierten oder synthetischen Daten, in denen Vertriebsmitarbeiter frei experimentieren und neue Abfragen testen können, ohne das Risiko, die Produktivsysteme zu beeinträchtigen oder gegen Datenschutzrichtlinien zu verstossen.

Um die Brücke zwischen Vertrieb und IT zu schlagen, hat sich die Einführung eines „Sales Data Steward“ bewährt. Diese Person, oft ein datenaffiner Vertriebler, fungiert als Übersetzer und erster Ansprechpartner. Er versteht die geschäftlichen Anforderungen des Vertriebs und kann sie in technische Spezifikationen für die IT übersetzen, während er gleichzeitig die Einhaltung der Governance-Regeln im Team sicherstellt. Ergänzt durch lückenlose Audit-Trails, die jeden Datenzugriff protokollieren, schaffen Sie so ein System, das Vertrauen durch Transparenz schafft und eine offene Datenkultur auf einem sicheren Fundament ermöglicht.

Der Datenfehler, der Ihre Umsatzprognose um 20 % verfälscht

Eine der gefährlichsten Illusionen in vielen Unternehmen ist der Glaube an die Korrektheit der eigenen Daten. Schlechte Datenqualität ist kein abstraktes IT-Problem, sondern hat direkte, messbare Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse. Im Vertriebs-Forecasting kann ein scheinbar kleiner Fehler die Umsatzprognose um 20 % oder mehr verfälschen und zu katastrophalen strategischen Fehlentscheidungen führen. Diese Fehler sind oft systematisch und schleichen sich unbemerkt in die CRM-Systeme ein. Sie reichen von simplen Duplikaten, die das Pipeline-Volumen künstlich aufblähen, bis hin zu veralteten Deal-Phasen, weil Vertriebsmitarbeiter den Status einer Opportunity nicht zeitnah aktualisieren.

Eine Analyse der häufigsten Fehlerquellen im Vertriebs-Forecasting zeigt ein alarmierendes Bild:

Häufige Datenfehler im Vertriebsforecasting und ihre Auswirkungen
Fehlertyp Häufigkeit Auswirkung auf Forecast Lösung
Veraltete Deal-Phasen 35% 15-20% Überschätzung Automatische Status-Updates
Duplikate im CRM 30% 10-15% Verzerrung KI-basierte Deduplizierung
Fehlende Negativ-Daten 25% Lernverlust Lost-Deal-Analyse pflegen
Optimistische Wahrscheinlichkeiten 40% 20-25% Überschätzung Historische Kalibrierung

Ein besonders heimtückischer Fehler ist die „optimistische Wahrscheinlichkeit“. Vertriebler neigen dazu, die Abschlusschancen ihrer Deals zu hoch einzuschätzen. Wenn diese subjektiven Schätzungen ungefiltert in die Prognose einfliessen, entsteht ein massiv verzerrtes Bild. Die Lösung liegt in der automatisierten, historischen Kalibrierung: Das System lernt aus vergangenen Deals, wie hoch die tatsächliche Abschlusswahrscheinlichkeit in einer bestimmten Phase für einen bestimmten Produkttyp war, und korrigiert die manuelle Eingabe. Indem die IT solche Mechanismen zur automatischen Datenbereinigung und -validierung implementiert, wird sie vom passiven Datenverwalter zum aktiven Wächter der Prognosequalität.

Ampelsystem visualisiert Datenqualität in Vertriebspipeline

Die Visualisierung der Datenqualität, beispielsweise durch ein Ampelsystem direkt im CRM, kann das Bewusstsein im Vertriebsteam schärfen. Ein Deal mit unvollständigen Daten wird rot markiert, ein validierter Deal grün. So wird Datenhygiene zu einer gemeinsamen, sichtbaren Aufgabe und nicht zu einer lästigen Pflicht. Nur auf einer sauberen, verlässlichen Datenbasis können Self-Service-Analysen ihr volles Potenzial entfalten.

Wie stellen Sie komplexe Zusammenhänge dar, damit der Vorstand in 10 Sekunden entscheidet?

Wenn Datenanalysen die Vorstandsebene erreichen, ändern sich die Spielregeln radikal. Hier geht es nicht mehr um explorative Analysen, sondern um schnelle, fundierte Entscheidungen. Ein Vorstand hat keine Zeit, sich durch komplexe Dashboards zu klicken. Er benötigt die Quintessenz auf einen Blick. Die Aufgabe besteht darin, eine „Entscheidungsarchitektur“ zu schaffen – eine Visualisierung, die so gestaltet ist, dass sie die wichtigste Erkenntnis und die daraus resultierende Handlungsempfehlung in unter zehn Sekunden kommuniziert. Dies erfordert eine radikale Reduktion der Komplexität.

Ein effektiver „Executive Summary One-Pager“ folgt klaren Prinzipien, um die sogenannte 10-Sekunden-Regel zu erfüllen. Anstatt Dutzende von Metriken zu zeigen, konzentriert er sich auf die drei wichtigsten KPIs, die für die strategische Fragestellung relevant sind (z.B. Umsatz, Neukunden, Pipeline-Wert). Diese werden nicht als nackte Zahlen, sondern mit klaren visuellen Indikatoren präsentiert:

  • Prominente Platzierung der Top-3-KPIs: Die wichtigsten Kennzahlen stehen im Zentrum der Darstellung, gross und unmissverständlich.
  • Verwendung von Trendpfeilen: Ein einfacher Pfeil (↑, ↓, →) neben jeder Zahl zeigt sofort die Entwicklung im Vergleich zur Vorperiode oder zum Ziel an. Das Gehirn verarbeitet diese Symbole schneller als Zahlen.
  • Fokus auf eine zentrale Handlungsempfehlung: Anstatt einer Liste von Beobachtungen, mündet die Analyse in einem einzigen, klaren Vorschlag. Beispiel: „Investition in Marketing-Kampagne X um 15 % erhöhen, um Pipeline-Wachstum zu sichern.“
  • Integration von Szenario-Slidern: Für fortgeschrittene digitale Berichte können interaktive „Was-wäre-wenn“-Slider es dem Vorstand ermöglichen, die Auswirkungen verschiedener Entscheidungen (z.B. Budgeterhöhung) live zu simulieren.

Die Rolle der IT ist es, die Templates für solche standardisierten Berichte bereitzustellen. Durch die Automatisierung der Dateneinspeisung in diese Vorlagen wird sichergestellt, dass die Berichte konsistent, fehlerfrei und immer auf dem neuesten Stand sind. So wird die IT zum strategischen Partner des Vorstands, der komplexe Realitäten in klare, unmissverständliche Entscheidungsgrundlagen übersetzt.

Kundeninterviews oder Big Data: Worauf sollten Sie sich bei einem Markteintritt verlassen?

Bei strategischen Entscheidungen wie einem Markteintritt stehen Unternehmen oft vor einem vermeintlichen Dilemma: Soll man sich auf qualitative Einblicke aus wenigen, tiefgehenden Kundeninterviews verlassen oder auf quantitative Muster aus Big-Data-Analysen? Die Antwort lautet: Es ist eine falsche Dichotomie. Die stärksten Strategien entstehen aus der Synthese beider Welten. Big Data kann das „Was“ aufdecken – zum Beispiel, dass 70 % der Nutzer einer bestimmten Region ein Produkt nach dem ersten Monat kündigen. Aber nur qualitative Interviews können das „Warum“ dahinter erklären – vielleicht, weil die Benutzeroberfläche einer lokalen kulturellen Erwartung widerspricht.

Ein CIO muss die technische Infrastruktur schaffen, um diese Synthese zu ermöglichen. Das bedeutet, Plattformen zu implementieren, die unstrukturierte Daten (z.B. Transkripte von Interviews, Social-Media-Kommentare) mit strukturierten Daten (z.B. Verkaufszahlen, Nutzungsstatistiken) verknüpfen können. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die BMW Group. Wie die BMW Group implementierte eine Plattform basierend auf MDM – Product 360 zur Verwaltung von Produktinformationen, um eine bessere Kundenkommunikation zu ermöglichen. Diese Integration von qualitativen und quantitativen Datenquellen zeigt, wie grosse Unternehmen beide Ansätze erfolgreich kombinieren, um ein 360-Grad-Kundenbild zu erhalten.

Die grösste Hürde bei diesem Ansatz ist jedoch oft nicht die Technologie, sondern die Kompetenz der Mitarbeiter. Wie eine aktuelle Gartner-Umfrage zu Analytics-Herausforderungen zeigt, sehen 45 % der Data & Analytics Leader den Mangel an Skills als kritisches Hindernis für datengetriebene Entscheidungen. Es reicht nicht, die Daten bereitzustellen; die Teams müssen auch geschult werden, wie man qualitative und quantitative Erkenntnisse miteinander in Beziehung setzt. Die Aufgabe des CIOs erweitert sich somit von der reinen Datenbereitstellung zur aktiven Förderung einer interdisziplinären Analysekompetenz im gesamten Unternehmen.

Warum sind 30 % Ihrer Kundendaten falsch und wie reinigen Sie das System automatisiert?

Die Annahme, dass die Daten im CRM-System korrekt sind, ist eine der kostspieligsten Fehleinschätzungen im Vertrieb. Studien und Erfahrungswerte zeigen immer wieder, dass bis zu 30 % der Kundendaten in einem typischen CRM fehlerhaft, veraltet oder unvollständig sind. Ein Mitarbeiter verlässt das Unternehmen, ein Kunde zieht um, eine E-Mail-Adresse wird ungültig – die Datenqualität erodiert von Natur aus, wenn sie nicht aktiv gepflegt wird. Manuelle Datenpflege durch den Vertrieb ist jedoch zeitaufwändig, unbeliebt und fehleranfällig. Die einzige skalierbare Lösung ist die automatisierte Datenhygiene, die direkt in die Systemarchitektur integriert ist.

Moderne CRM-Plattformen und spezialisierte Tools bieten eine Reihe von Mechanismen, um die Datenqualität proaktiv und automatisiert zu sichern. Anstatt auf manuelle Korrekturen zu hoffen, implementiert die IT proaktive Kontrollpunkte:

  • Point-of-Entry-Validierung: Schon bei der Eingabe neuer Daten werden Formate automatisch geprüft. Eine E-Mail-Adresse ohne „@“-Zeichen wird gar nicht erst akzeptiert. Adressdaten können in Echtzeit gegen geografische Datenbanken validiert werden.
  • KI-basierte Duplikat-Erkennung: Anstatt nur nach exakten Übereinstimmungen zu suchen, nutzen Machine-Learning-Algorithmen phonetische Ähnlichkeiten und andere Muster, um potenzielle Duplikate („Jon Schmidt“ vs. „John Schmitt“) zu identifizieren und zur Zusammenführung vorzuschlagen.
  • Automatische Datenanreicherung: Durch die Anbindung externer APIs (z.B. von LinkedIn oder Handelsregistern) können fehlende Informationen wie Unternehmensgrösse, Branche oder Position eines Ansprechpartners automatisch ergänzt werden.
  • Gamification der Datenpflege: Um die verbleibende manuelle Pflege zu fördern, können spielerische Elemente wie ein Leaderboard für die „saubersten“ Datensätze oder monatliche Anreize für die beste Datenhygiene das Bewusstsein und die Motivation im Team steigern.
Künstliche Intelligenz bereinigt automatisch Kundendaten im CRM-System

Durch die Implementierung eines solchen automatisierten Reinigungszyklus verwandelt die IT das CRM von einem passiven Datenspeicher in ein selbsterhaltendes, dynamisches System. Dies entlastet nicht nur den Vertrieb von mühsamer administrativer Arbeit, sondern schafft vor allem das unverzichtbare Fundament für jede verlässliche Analyse und Prognose.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die erfolgreiche Demokratisierung von Daten im Vertrieb hängt nicht von der Auswahl der Tools ab, sondern vom Aufbau eines robusten operativen Governance-Frameworks.
  • Das Leitprinzip ist „geführte Autonomie“: Die IT gibt die Architektur und die Leitplanken vor, innerhalb derer der Vertrieb frei und sicher agieren kann.
  • Automatisierte Datenqualitätssicherung und nutzerzentriertes Dashboard-Design sind die technischen Säulen, die die IT vom Gatekeeper zum strategischen Enabler machen.

Warum Bauchgefühl allein Ihr Unternehmen in der nächsten Krise gefährdet?

In stabilen Marktphasen mag eine auf Erfahrung und Intuition basierende Vertriebssteuerung funktionieren. Doch in Zeiten volatiler Märkte, disruptiver Konkurrenz oder unvorhersehbarer Krisen wird das Bauchgefühl zu einem unkalkulierbaren Risiko. Es basiert auf Mustern der Vergangenheit, die in einer neuen Realität möglicherweise keine Gültigkeit mehr haben. Ein datengetriebener Ansatz ist keine Abwertung der menschlichen Erfahrung, sondern ihre notwendige Ergänzung durch ein objektives, faktenbasiertes Korrektiv. Er ermöglicht es, frühzeitig schwache Signale für Marktveränderungen zu erkennen und die Strategie anzupassen, bevor die Konkurrenz es tut.

Wie die Analysten von KPMG treffend formulieren, liegt hier der entscheidende Wettbewerbsvorteil:

Der datengetriebene Vertrieb befähigt das Unternehmen, Markt und Kunde genauer zu verstehen sowie schneller bessere Entscheidungen zu treffen.

– KPMG Klardenker, Erfolgreicher Vertrieb: Datengetrieben sind Unternehmen effizienter

Die Überlegenheit dieses Ansatzes zeigt sich besonders dann, wenn traditionelle Methoden versagen. Ein gutes Beispiel liefert Northwestern Mutual. Wie ein Bericht zeigt, nutzte Northwestern Mutual Sprinklr AI für ihre erfolgreichste Social-Media-Kampagne aller Zeiten, vollständig unterstützt durch die Sprinklr-Plattform. In einem lauten, unübersichtlichen Marktumfeld gelang es dem Unternehmen durch präzise Datenanalyse, die richtige Zielgruppe mit der richtigen Botschaft zur richtigen Zeit zu erreichen – ein Erfolg, der mit reinem Bauchgefühl undenkbar gewesen wäre.

Für einen CIO bedeutet dies eine klare Mission: Sie müssen die Architekturen schaffen, die es dem Unternehmen ermöglichen, seine kollektive Intelligenz zu nutzen. Indem Sie dem Vertrieb die Fähigkeit zur Selbst-Analyse geben, reduzieren Sie nicht nur die Last auf Ihrer IT-Abteilung. Sie bauen eine Organisation, die resilienter, anpassungsfähiger und letztlich erfolgreicher ist, weil sie ihre Entscheidungen auf dem soliden Fundament von Daten trifft und nicht auf den schwankenden Annahmen der Intuition.

Beginnen Sie noch heute mit dem Aufbau Ihres operativen Governance-Frameworks und transformieren Sie Ihren Vertrieb von einem reinen Anwender zu einem datengetriebenen Wachstumsmotor für Ihr gesamtes Unternehmen.

Geschrieben von Sarah Linne, Enterprise IT-Architektin und Beraterin für digitale Transformation. Sie hilft Unternehmen seit über 10 Jahren dabei, Legacy-Systeme zu modernisieren, ERP-Migrationen zu steuern und datengetriebene Entscheidungswege zu implementieren.