Veröffentlicht am März 12, 2024

Entgegen der verbreiteten Annahme ist die Lösung für die aktuelle Regulierungswelle nicht, mehr Ressourcen einzusetzen, sondern Compliance grundlegend neu zu denken.

  • Intelligente Automatisierung schlägt Personalaufstockung, indem sie manuelle Überwachungsprozesse eliminiert und die Effizienz steigert.
  • Eine proaktive Compliance-Kultur, die von der Führungsebene getragen wird, minimiert Risiken wirksamer als jede starre Regel.

Empfehlung: Transformieren Sie Ihre Compliance-Abteilung von einem reaktiven Kontrollorgan zu einem proaktiven Business Enabler, der strategische Entscheidungen absichert und agiles Handeln ermöglicht.

Als General Counsel oder Compliance Officer stehen Sie vor einer Herkulesaufgabe: Eine Flut neuer Vorschriften, von Lieferkettengesetz (LkSG) bis zum Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG), trifft auf knappe Budgets und begrenzte personelle Ressourcen. Die erste Reaktion ist oft, nach mehr Personal zu rufen oder in die erstbeste Software zu investieren, in der Hoffnung, die Compliance-Lücken irgendwie zu füllen. Doch dieser Ansatz behandelt nur die Symptome, nicht die Ursache. Er führt zu einer reaktiven, kostenintensiven „Kästchenabhak-Compliance“, die das Unternehmen verlangsamt, anstatt es zu schützen.

Die ständige Sorge, eine entscheidende Gesetzesänderung zu übersehen und das Unternehmen empfindlichen Strafen auszusetzen, lähmt die strategische Entscheidungsfindung. Viele Rechtsabteilungen ertrinken in administrativen Aufgaben und verlieren ihre eigentliche Rolle aus den Augen: das Geschäft rechtssicher zu ermöglichen und zu gestalten. Doch was wäre, wenn die Lösung nicht darin bestünde, Ihre Abteilung zu verdoppeln, sondern darin, Ihre Prozesse zu revolutionieren? Wenn Sie Compliance von einer Belastung in einen strategischen Vorteil verwandeln könnten?

Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Sichtweise. Er zeigt Ihnen, wie Sie durch intelligente Automatisierung, eine datengestützte Priorisierung und den Aufbau einer gelebten Compliance-Kultur nicht nur mit neuen Gesetzen Schritt halten, sondern Ihr Unternehmen widerstandsfähiger, agiler und letztlich mutiger machen. Wir werden untersuchen, wie Sie die richtigen technologischen Weichen stellen, Audits zu echten Verbesserungswerkzeugen machen und die Verantwortung für Compliance im gesamten Unternehmen verankern, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.

Dieser Leitfaden ist strukturiert, um Ihnen einen klaren Weg von der reinen Pflichterfüllung hin zur strategischen Compliance aufzuzeigen. Entdecken Sie praxisnahe Ansätze, um Ihre Abteilung zukunftssicher aufzustellen.

Warum schützt Unwissenheit vor Strafe nicht und wie dokumentieren Sie Ihre Sorgfalt?

Der Grundsatz „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ (ignorantia legis non excusat) ist das Fundament der unternehmerischen Verantwortung. Im Compliance-Kontext bedeutet dies, dass die Geschäftsleitung nicht nur für bekannte, sondern auch für fahrlässig unbekannte Verstösse haftet. Es reicht nicht aus, keine Kenntnis von einem Gesetzesverstoss zu haben; Sie müssen aktiv nachweisen können, dass Sie alle zumutbaren Vorkehrungen getroffen haben, um ihn zu verhindern. Dieser Nachweis der Sorgfaltspflicht ist Ihr entscheidender Schutzschild im Ernstfall. Ohne eine lückenlose, nachvollziehbare Dokumentation Ihrer Compliance-Bemühungen stehen Sie schutzlos da.

Die Konsequenzen sind real und kostspielig. Allein für Verstösse gegen das Hinweisgeberschutzgesetz können Bussgelder von bis zu 20.000 Euro für fehlende interne Meldestellen seit Dezember 2023 betragen. Diese Summe mag überschaubar wirken, doch sie ist nur die Spitze des Eisbergs. Reputationsschäden, der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen und persönliche Haftungsrisiken für die Geschäftsführung wiegen oft schwerer. Die Dokumentation ist daher keine bürokratische Übung, sondern eine strategische Notwendigkeit zur Existenzsicherung.

Eine effektive Dokumentation muss systematisch, zentralisiert und revisionssicher sein. Isolierte Excel-Listen oder unstrukturierte Ablagen in verschiedenen Abteilungen sind im Krisenfall wertlos. Sie benötigen ein System, das Entscheidungen, Schulungsmassnahmen, Risikobewertungen und Kontrollen in einem kohärenten Rahmen festhält und jederzeit abrufbar macht. Nur so können Sie gegenüber Behörden und Gerichten belegen, dass Ihr Compliance-Management-System (CMS) nicht nur auf dem Papier existiert, sondern aktiv gelebt wird.

Ihr Plan zur lückenlosen Compliance-Dokumentation

  1. Erstellen Sie ein zentrales Dokumentenmanagementsystem für alle Compliance-relevanten Unterlagen.
  2. Implementieren Sie automatisierte Protokollierungssysteme für kritische Entscheidungen und Prozesse.
  3. Führen Sie regelmässige Compliance-Schulungen durch und dokumentieren Sie die Teilnahme lückenlos.
  4. Etablieren Sie ein Vier-Augen-Prinzip für Management-Entscheidungen mit schriftlicher Dokumentation.
  5. Richten Sie ein revisionssicheres Archivierungssystem mit Zeitstempel und Versionierung ein.

Letztlich beweist eine solide Dokumentation nicht nur Ihre Sorgfalt, sondern schafft auch Transparenz und Vertrauen innerhalb des Unternehmens und gegenüber externen Partnern.

Wie automatisieren Sie die Überwachung von Gesetzesänderungen kostengünstig?

Die manuelle Überwachung von Gesetzesänderungen ist ein Fass ohne Boden. Juristen durchforsten Gesetzblätter, abonnieren Dutzende Newsletter und versuchen, relevante Informationen aus einer Kakophonie von Quellen zu filtern. Dieser Prozess ist nicht nur extrem zeitaufwändig, sondern auch fehleranfällig. Eine relevante Änderung in einem obskuren Amtsblatt kann leicht übersehen werden und immense Haftungsrisiken nach sich ziehen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Studien zeigen, dass 62 % der Unternehmen über 1.500 Mitarbeiterstunden jährlich allein für die Compliance-Berichterstattung aufwenden. Diese Zeit fehlt für strategische Aufgaben.

Die kostengünstige Lösung liegt in der intelligenten Automatisierung des „Regulatory Trackings“. Moderne Legal-Tech-Tools übernehmen die Überwachung von tausenden Rechtsquellen auf globaler, nationaler und regionaler Ebene. Sie nutzen künstliche Intelligenz, um relevante Änderungen für Ihr spezifisches Geschäftsfeld und Ihre Standorte zu identifizieren, fassen die Kernaussagen zusammen und ordnen sie direkt den verantwortlichen Personen im Unternehmen zu. Statt einer ungerichteten Informationsflut erhalten Sie einen kuratierten, priorisierten Feed mit klaren Handlungsempfehlungen.

Der wahre Kostenvorteil entsteht nicht nur durch die eingesparten Arbeitsstunden. Automatisierung transformiert den Prozess von reaktiv zu proaktiv. Sie erhalten frühzeitige Warnungen über kommende Gesetzesinitiativen, was Ihnen wertvolle Zeit verschafft, um Prozesse anzupassen, anstatt unter Druck kurz vor einer Deadline handeln zu müssen. Wie die Praxis zeigt, ermöglichen integrierte Compliance-Plattformen wie das GRC-COCKPIT der SAVISCON GmbH die Bündelung aller Compliance-Themen unter einem Dach. Dies schafft nicht nur Konsistenz, sondern erlaubt auch ein Monitoring aller Massnahmen und die Erstellung von Reports auf Knopfdruck, was die Effizienz erheblich steigert und die Haftung minimiert.

Durch die Befreiung Ihrer Rechtsexperten von monotoner Recherchearbeit schaffen Sie Kapazitäten für das, was wirklich zählt: die strategische Beratung der Geschäftsführung und die rechtssichere Gestaltung der Zukunft Ihres Unternehmens.

Gesetz oder Richtlinie: Wann müssen Sie zwingend handeln und wann abwarten?

Die Flut an neuen Regelungen besteht nicht nur aus direkt anwendbaren Gesetzen, sondern auch aus EU-Richtlinien, Verordnungsentwürfen und nationalen Umsetzungsakten. Für Compliance-Verantwortliche ist die entscheidende Frage: Was erfordert sofortiges Handeln und was kann zunächst nur beobachtet werden? Eine falsche Priorisierung kann fatale Folgen haben: Entweder verschwenden Sie wertvolle Ressourcen für eine verfrühte Umsetzung oder Sie verpassen eine kritische Frist und riskieren hohe Strafen. Die Kunst liegt darin, eine strategische Triage durchzuführen, die auf einer klaren Einschätzung von Verbindlichkeit, Fristen und geschäftlichen Auswirkungen basiert.

Gesetze wie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) oder das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) sind unmittelbar nach Inkrafttreten bindend und erfordern sofortige Massnahmen. Bei EU-Richtlinien, wie der NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit oder der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), gibt es hingegen Umsetzungsfristen für die Mitgliedstaaten. Hier besteht ein Zeitfenster zur Vorbereitung. Doch Abwarten ist selten eine gute Strategie. Erfolgreiche Unternehmen nutzen diese Phase, um ihre Prozesse vorausschauend anzupassen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Die folgende Übersicht aus einer Analyse von KPMG bietet eine klare Orientierung zu den wichtigsten aktuellen Fristen.

Gesetzliche Fristen für Compliance-Anforderungen 2024/2025
Gesetz/Richtlinie Betroffene Unternehmen Frist Priorität
Lieferkettengesetz Ab 1.000 Mitarbeiter Seit 1.1.2024 Sofort handeln
Hinweisgeberschutzgesetz Ab 50 Mitarbeiter Seit 17.12.2023 Sofort handeln
CSRD-Berichterstattung Grosse kapitalmarktorientierte Unternehmen Ab 1.1.2025 Jetzt vorbereiten
NIS-2-Richtlinie Kritische Infrastrukturen Ab März 2025 Beobachten und planen

Um diese Entscheidungen strategisch zu treffen, ist eine visuelle Priorisierung hilfreich. Eine Impact-Effort-Matrix hilft, Massnahmen mit hoher Auswirkung und geringem Aufwand zu identifizieren und von solchen zu trennen, die aufwendig, aber weniger dringend sind. Dieser Ansatz wandelt regulatorischen Druck in eine bewusste Geschäftsentscheidung um.

Strategische Matrix zur Priorisierung von Compliance-Massnahmen

Wie dieses Schema andeutet, geht es darum, die Balance zwischen regulatorischer Notwendigkeit und unternehmerischer Flexibilität zu finden. Eine effektive Compliance-Strategie ist keine starre Checkliste, sondern ein dynamischer Prozess der kontinuierlichen Bewertung und Anpassung.

Indem Sie diese Triage beherrschen, steuern Sie Ihre Compliance-Ressourcen gezielt dorthin, wo sie den grössten Nutzen stiften und das höchste Risiko abwenden.

Der Fehler bei der Einführung eines Hinweisgebersystems, der die Anonymität gefährdet

Mit dem Hinweisgeberschutzgesetz sind Unternehmen verpflichtet, sichere Kanäle für die Meldung von Missständen bereitzustellen. Viele implementieren eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonhotline und glauben, damit ihre Pflicht erfüllt zu haben. Doch genau hier lauert der grösste und folgenschwerste Fehler: die Gefährdung der Anonymität des Hinweisgebers. Eine Standard-E-Mail-Adresse (z.B. compliance@firma.de) ist niemals wirklich anonym. Metadaten, IP-Adressen oder eine unachtsame Weiterleitung der E-Mail können die Identität des Meldenden preisgeben. Die Angst vor Repressalien ist die grösste Hürde für Whistleblower. Wenn Ihr System kein absolutes Vertrauen in die Anonymität schafft, wird es nicht genutzt – oder schlimmer, Meldungen gehen direkt an externe Behörden oder die Presse.

Die Effektivität eines Systems zeigt sich in seiner Nutzung. Experten prognostizieren, dass in Unternehmen mit einer funktionierenden Vertrauenskultur und einem sicheren System mit 0,4 bis 1,0 Hinweisen pro 100 Beschäftigte pro Jahr zu rechnen ist. Bleiben Meldungen aus, ist das oft kein Zeichen für eine saubere Weste, sondern für ein mangelhaftes System. Echte Anonymität ist keine Option, sondern die Grundvoraussetzung. Sie kann nur durch dedizierte technische Lösungen gewährleistet werden, die eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation ermöglichen, bei der nicht einmal der Systemadministrator die Identität des Hinweisgebers zurückverfolgen kann.

Wie Branchenexperten betonen, geht es um mehr als nur um einen sicheren Briefkasten. Marcus Sultzer, Chief Revenue Officer der EQS Group, bringt es auf den Punkt:

Echte Anonymität für Whistleblower können Unternehmen nur durch technische Lösungen gewährleisten. Ein digitales Tool ermöglicht, den gesamten Prozess – von der Erstmeldung über die Bearbeitung bis zur Kommunikation mit dem Whistleblower – effizient zu gestalten.

– Marcus Sultzer, EQS Group, Chief Revenue Officer

Ein professionelles digitales System schützt nicht nur den Whistleblower, sondern auch das Unternehmen. Es stellt sicher, dass der gesamte Fallbearbeitungsprozess – von der Triage über die Untersuchung bis zum Abschluss – revisionssicher dokumentiert wird. Dies ist im Falle einer behördlichen Untersuchung von unschätzbarem Wert und beweist, dass Sie Ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind.

Investieren Sie in Vertrauen durch Technologie. Es ist die einzige Möglichkeit, wertvolle interne Hinweise zu erhalten und die Kontrolle über die Aufklärung von Missständen im eigenen Haus zu behalten.

Wie führen Sie Compliance-Audits durch, die Prozesse verbessern statt nur zu kontrollieren?

Traditionelle Compliance-Audits werden oft als eine Art interne Polizeiaktion wahrgenommen: Auditoren kommen, suchen nach Fehlern, erstellen eine Mängelliste und gehen wieder. Das Ergebnis ist eine Kultur der Angst, in der Mitarbeiter versuchen, Probleme zu verbergen, anstatt sie zu lösen. Ein solches Audit erfüllt zwar auf dem Papier eine Kontrollfunktion, scheitert aber an seinem eigentlichen Ziel: das Unternehmen sicherer und besser zu machen. Der Wandel von der reinen Kontrolle zur prozessorientierten Verbesserung ist der Schlüssel zu einem wirksamen und akzeptierten Audit-System.

Ein verbesserungsorientiertes Audit fragt nicht nur „Wurde die Regel befolgt?“, sondern „Warum wurde sie nicht befolgt und wie können wir den Prozess so gestalten, dass der Fehler in Zukunft unwahrscheinlich wird?“. Anstelle von Schuldzuweisungen tritt die gemeinsame Ursachenanalyse, beispielsweise durch die „5 Whys“-Methode. Der Fokus verschiebt sich von der Bestrafung von Einzelpersonen auf die Optimierung des Systems. Dies erfordert eine neue Denkweise seitens der Auditoren: Sie sind nicht mehr nur Prüfer, sondern auch Berater und Prozessoptimierer. Ihr Ziel ist es, die Abteilungen zu befähigen, ihre eigenen Prozesse resilienter zu gestalten.

Moderne Compliance-Plattformen unterstützen diesen Ansatz. Ein gutes Beispiel ist das Digital Compliance Office (DCO) von SECJUR. Es automatisiert den Audit-Prozess durch einen strukturierten 5-Phasen-Zyklus, der von der Planung über digitale Checklisten und Nichtkonformitäten-Management bis zur Massnahmenverfolgung reicht. Ein solcher methodischer Ansatz stellt sicher, dass Abweichungen nicht nur dokumentiert, sondern systematisch behoben werden. Diese Professionalität im Umgang mit Fehlern schafft enormes Vertrauen bei externen Zertifizierungsstellen und Auditoren und kann den Aufwand für externe Prüfungen erheblich reduzieren.

Wenn Mitarbeiter Audits als Chance zur Verbesserung und nicht als Bedrohung sehen, haben Sie eine wesentliche Hürde auf dem Weg zu einer resilienten Organisation genommen.

Wie verhindern Sie, dass ein Abteilungsleiter durch Unwissenheit das ganze Unternehmen haftbar macht?

Compliance-Risiken entstehen selten durch böswillige Absicht, sondern viel häufiger durch Unwissenheit, Zeitdruck oder falsch verstandene unternehmerische Ziele auf der mittleren Führungsebene. Ein Abteilungsleiter, der einen dubiosen Vertrag unterzeichnet, um ein Quartalsziel zu erreichen, oder der Sicherheitsvorschriften ignoriert, um ein Projekt zu beschleunigen, kann eine Haftungslawine auslösen, die das gesamte Unternehmen erfasst. Die zentrale Herausforderung ist es, Compliance aus der alleinigen Zuständigkeit der Rechtsabteilung herauszulösen und sie fest in der täglichen Führungskultur zu verankern.

Führungskräfte haben eine entscheidende Vorbildfunktion. Ihr Handeln und ihre Kommunikation setzen den Ton für die gesamte Abteilung. Wenn ein Vorgesetzter Compliance als lästige Bürokratie abtut, werden seine Mitarbeiter es ihm gleichtun. Daher müssen Compliance-Schulungen für Führungskräfte weit über die reine Wissensvermittlung hinausgehen. Sie müssen die Führungskräfte befähigen, Compliance-Dilemmata in ihrem Alltag zu erkennen, ethisch fundierte Entscheidungen zu treffen und als „Compliance-Botschafter“ in ihren Teams zu agieren.

Ein herausragendes Beispiel für diesen Ansatz ist die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Sie implementierte ein mehrstufiges Compliance-System, das gezielt auf die Sensibilisierung und Befähigung von Führungskräften abzielt. Durch Workshops und die Entwicklung spezifischer Empfehlungen wird eine positive Compliance-Kultur gefördert. Dieser Wandel von einer reinen „Kästchenabhak-Mentalität“ zu einem strategischen Ansatz wird auch branchenübergreifend beobachtet: Eine Umfrage zeigt, dass 70 % der Fachleute eine Veränderung von der reinen Pflichterfüllung hin zu einem strategischeren Ansatz bemerken. Die Verantwortung wird dezentralisiert und in die operativen Prozesse integriert.

Indem Sie Ihre Abteilungsleiter zu Verbündeten machen, schaffen Sie ein dezentrales Immunsystem für Ihr Unternehmen, das Risiken erkennt und abwehrt, lange bevor sie die Rechtsabteilung erreichen.

Wie auditieren Sie internationale Zulieferer effizient ohne ein riesiges Compliance-Team aufzubauen?

Mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) endet die unternehmerische Verantwortung nicht mehr am eigenen Werkstor. Sie erstreckt sich nun tief in die globalen Lieferketten hinein. Für Unternehmen mit hunderten oder tausenden von Zulieferern weltweit stellt sich eine drängende Frage: Wie kann man diese Verantwortung wahrnehmen, ohne ein riesiges, kostspieliges Compliance-Team aufzubauen, das um die Welt reist, um Audits durchzuführen? Die Antwort liegt in einer Kombination aus risikobasierter Priorisierung und dem Einsatz kollaborativer Compliance-Plattformen.

Der Versuch, jeden einzelnen Lieferanten mit der gleichen Intensität zu prüfen, ist zum Scheitern verurteilt. Stattdessen müssen Sie einen risikobasierten Ansatz verfolgen: Identifizieren Sie Lieferanten in Hochrisikoländern oder -branchen und konzentrieren Sie Ihre Audit-Ressourcen auf diese. Für Lieferanten mit geringerem Risiko können standardisierte Selbstauskünfte und Zertifizierungen ausreichen. Doch das grösste Risiko lauert oft bei den Dritten, wie die Statistik belegt: In den letzten 12 Monaten erlitten 54 % der Organisationen eine Datenpanne durch einen ihrer Drittanbieter. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer effektiven Überwachung.

Hier kommen digitale Plattformen ins Spiel. Anstatt separate Systeme für das interne Whistleblowing (HinSchG) und die Lieferantenüberwachung (LkSG) zu betreiben, können intelligente Lösungen wie die EQS Integrity Line beides kombinieren. Ein solches System kann als zentraler Meldekanal für die gesamte Lieferkette dienen. Mitarbeiter von Zulieferern können anonym und sicher auf Missstände wie Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverstösse hinweisen. Dies gibt Ihnen einen direkten Einblick in Ihre Lieferkette, ohne dass ein Auditor vor Ort sein muss. Die DSGVO-konforme und revisionssichere Dokumentation jedes Schrittes auf Hochsicherheitsservern in Deutschland stellt sicher, dass Sie Ihre Sorgfaltspflicht nachweisen können.

So wandeln Sie eine potenziell uferlose Verpflichtung in einen beherrschbaren, datengesteuerten Prozess um und stellen sicher, dass Ihre Compliance auch globalen Anforderungen gerecht wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Intelligente Automatisierung ist kostengünstiger und sicherer als die Aufstockung von Personal für manuelle Überprüfungen.
  • Eine proaktive Compliance-Kultur, die von der Führung getragen wird, ist der wirksamste Schutz vor Haftungsrisiken.
  • Moderne Compliance ist kein Cost Center, sondern ein strategischer Business Enabler, der agiles und mutiges Handeln absichert.

Wie führen Sie Geschäfte mutig, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen?

Die Quintessenz einer modernen Compliance-Strategie ist die Transformation vom „Chief No Officer“ zum strategischen Business Enabler. In einem volatilen Marktumfeld müssen Unternehmen mutig und agil sein, um Chancen zu ergreifen. Eine veraltete, risikoscheue Compliance-Abteilung, die primär als Bremser agiert, wird hier zur existenziellen Bedrohung. Das Ziel kann nicht Risiko-Eliminierung sein – denn das würde jeden Geschäftsbetrieb lahmlegen. Das Ziel ist ein intelligentes Risikomanagement, das es der Geschäftsführung erlaubt, kalkulierte Risiken einzugehen und gleichzeitig die rechtlichen Leitplanken zu respektieren.

Dies erfordert einen Paradigmenwechsel: Statt starrer Jahrespläne, die von der Realität schnell überholt werden, setzen agile Compliance-Funktionen auf kurze Zyklen („Compliance Sprints“), um schnell auf neue Risiken oder Geschäftschancen reagieren zu können. Anstelle eines pauschalen „Nein“ definieren sie klare „Risk Appetite“-Leitplanken. Innerhalb dieser Guardrails können die operativen Abteilungen frei und schnell agieren, ohne für jede Entscheidung eine Freigabe einholen zu müssen. Die Compliance-Funktion gibt die Spielregeln vor, überwacht aber nicht jeden einzelnen Spielzug.

Dieser Ansatz basiert auf Vertrauen, das durch Technologie untermauert wird. Prädiktive Analysen und KI können helfen, potenzielle Risiken in grossen Datenmengen frühzeitig zu erkennen, lange bevor sie zu einem Problem werden. Automatisierte Kontrollen, die in die Kernprozesse (z.B. im ERP-System) integriert sind, stellen die Einhaltung der wichtigsten Regeln sicher, ohne den Geschäftsablauf zu stören. Die Compliance-Abteilung wird so von einer Kontrollinstanz zu einem Architekten für sichere und effiziente Prozesse.

Beginnen Sie noch heute damit, Compliance als strategischen Hebel zu nutzen, anstatt sie nur als eine Pflicht zu verwalten. So schaffen Sie die rechtliche und kulturelle Grundlage für mutiges Unternehmertum, das den Namen verdient – ohne ständig die Furcht vor dem persönlichen Haftungsrisiko im Nacken zu spüren.

Geschrieben von Thomas Wiegand, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht sowie Compliance-Auditor. Er berät Unternehmen seit 12 Jahren zu Haftungsrisiken, Vertragsmanagement und der Umsetzung regulatorischer Anforderungen wie dem Lieferkettengesetz.