Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die meisten Strategien scheitern nicht an der Vision, sondern an der Übersetzung. Es geht nicht darum, Ziele zu verkünden, sondern Sinn-Brücken zum Alltag jedes Mitarbeiters zu bauen.

  • Zahlen in emotionale Geschichten verwandeln, die den individuellen Beitrag sichtbar machen.
  • Konkrete Handlungsprinzipien statt abstrakter Leitbilder als Kompass für tägliche Entscheidungen geben.

Empfehlung: Beginnen Sie damit, jede Management-Entscheidung durch den „Identitäts-Lackmustest“ zu filtern: Stärkt sie uns in den Augen von Kunden UND Mitarbeitern?

Als CEO haben Sie die Vision klar vor Augen. Sie sehen den Gipfel, den Ihr Unternehmen erklimmen soll. Doch während Sie die Landkarte der Zukunft zeichnen, blickt der Sachbearbeiter in der Buchhaltung auf eine Excel-Tabelle. Die Marketing-Managerin kämpft mit der Kampagnen-Deadline. Der Lagerist optimiert seine Routen. Die Verbindung zwischen Ihrer grossen Vision und diesen täglichen Realitäten? Oft ist sie brüchig oder nicht existent. Sie spüren es: Die Strategie kommt an der Basis nicht an, das Engagement stagniert, und die PS kommen nicht auf die Strasse.

Die üblichen Ratschläge kennen Sie: Regelmässige Townhalls, bunte Poster im Flur, ein gut gemeinter Newsletter. Doch diese Werkzeuge sind oft nur Megafone, die eine Botschaft in den Raum rufen, ohne sicherzustellen, dass sie auch im Herzen und im Verstand der Mitarbeiter ankommt. Die eigentliche Herausforderung liegt tiefer. Es geht nicht um den Unterschied zwischen Vision und Strategie, sondern um die Kluft zwischen der abstrakten Sprache des Managements und der konkreten Arbeitswelt der Mitarbeiter. Eine Vision ist das „Warum“ und „Wohin“, die Strategie ist der grobe Weg dorthin.

Aber was, wenn der wahre Hebel nicht in der Wiederholung der Botschaft, sondern in ihrer Übersetzung liegt? Was, wenn es darum geht, für jeden einzelnen Mitarbeiter eine persönliche Handlungslogik zu schaffen? Eine Logik, die ihm nicht nur sagt, *was* zu tun ist, sondern ihm das Gefühl gibt, *warum* seine spezifische Aufgabe für die grosse Reise von Bedeutung ist. Dieser Artikel ist kein weiterer Appell für mehr Kommunikation. Er ist ein strategischer Leitfaden, der Ihnen zeigt, wie Sie die entscheidenden Sinn-Brücken bauen – von der Vorstandsetage bis zum einzelnen Schreibtisch.

Wir werden gemeinsam analysieren, warum so viele Strategien im Sande verlaufen, und Ihnen konkrete, praxiserprobte Methoden an die Hand geben. Von der emotionalen Aufladung von Quartalszahlen bis zur Entschärfung der gefürchteten „Buzzword-Falle“ werden Sie lernen, eine Kommunikation zu etablieren, die nicht nur informiert, sondern inspiriert und mobilisiert.

Warum verstehen nur 13 % der Belegschaft die Strategie ihres Arbeitgebers wirklich?

Die Zahl ist ernüchternd und ein Weckruf für jede Führungskraft. Während die Strategie in der Vorstandsetage glasklar erscheint, kommt an der Basis oft nur ein diffuses Rauschen an. Das Problem ist nicht, dass Mitarbeiter die Strategie nicht verstehen *wollen*, sondern dass die Kommunikationskette oft schon an ihrem Ursprung brüchig ist. Es herrscht eine massive Verständnislücke, die tief im System verankert ist und eine effektive Umsetzung sabotiert. Der Fehler liegt selten bei den Empfängern, sondern in der Art und Weise, wie die Botschaft verpackt und weitergegeben wird.

Überraschenderweise beginnt diese Lücke bereits im Management selbst. Laut einer aktuellen Studie der Universität Leipzig schreiben nur 57 % der Top-Manager ihrer eigenen Kommunikationsabteilung eine hohe Kompetenz bei der Strategievermittlung zu. Im mittleren Management sinkt dieser Wert sogar auf 54 %. Wenn also fast die Hälfte der Führungskräfte am strategischen Wert der eigenen Kommunikationsprofis zweifelt, wie kann man dann erwarten, dass die Botschaft die Sachbearbeiter-Ebene klar und motivierend erreicht? Es ist ein klares Signal, dass die interne Kommunikation oft als reiner Sendekanal und nicht als strategischer Übersetzungspartner wahrgenommen wird.

Diese Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Realität zieht sich durch das ganze Unternehmen. Eine weitere Untersuchung zeigt, dass zwar 51 % der Befragten die Innovationskraft ihres Unternehmens als hoch einschätzen, aber nur 23 % der Firmen die Kommunikation von Innovationen tatsächlich im Fokus haben. Man ist stolz auf etwas, über das man nicht spricht. Hier wird die Vision zum internen Geheimnis. Die Mitarbeiter werden zu Passagieren auf einem Schiff, dessen Kurs sie nicht kennen. Sie arbeiten, aber sie wirken nicht mit. Ohne das „Warum“ verkümmert jede Tätigkeit zur reinen Pflichterfüllung, und das riesige Potenzial an Eigeninitiative und Mitdenken bleibt ungenutzt.

Wie verpacken Sie Quartalszahlen in eine Geschichte, die Emotionen weckt?

Quartalszahlen, Umsatz-Dashboards, KPIs – für das Management sind sie der Puls des Unternehmens. Für den Mitarbeiter am Schreibtisch sind sie oft abstrakte, kalte Zahlen ohne Bezug zur eigenen Arbeit. Ein Umsatzplus von 5 % ist eine gute Nachricht, aber sie weckt keine Leidenschaft. Hier liegt eine der grössten Chancen für wirksame Strategiekommunikation: die Übersetzung von Daten in Drama, von Metriken in menschliche Geschichten. Es geht darum, das „Was“ (die Zahl) mit dem „Warum“ (dem menschlichen Einfluss und Ergebnis) zu verbinden und so eine emotionale Sinn-Brücke zu bauen.

Der Schlüssel liegt darin, hinter jeder Zahl eine Geschichte zu finden. Anstatt zu verkünden: „Wir haben den Marktanteil um 3 % gesteigert“, erzählen Sie die Geschichte des einen Kunden, dessen drängendes Problem durch die neue Software-Funktion gelöst wurde – eine Funktion, an der Team X monatelang gearbeitet hat. Zeigen Sie, wie der Einsatz des Servicemitarbeiters Y zu einer herausragenden Bewertung führte, die wiederum drei neue Kunden überzeugte. Das macht den Erfolg greifbar und den Beitrag jedes Einzelnen sichtbar. Plötzlich ist der Mitarbeiter nicht mehr nur ein Rädchen im Getriebe, sondern der Held einer Erfolgsgeschichte.

Die Visualisierung dieser Geschichten verstärkt ihre Wirkung exponentiell. Ein gemeinsamer Blick auf ein Dashboard, das nicht nur nackte Zahlen, sondern den Fortschritt und die erreichten Meilensteine visuell darstellt, schafft ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit und des gemeinsamen Erfolgs. Es transformiert den Arbeitsplatz von einem Ort der Pflichterfüllung in eine Arena, in der Siege gefeiert werden.

Mitarbeiterteam betrachtet visuelle Erfolgsdaten auf grossem Wandbildschirm

Wie dieses Bild andeutet, entsteht Stolz und Engagement, wenn Mitarbeiter den direkten Einfluss ihrer Arbeit auf das grosse Ganze sehen können. Es geht darum, den Fokus von der reinen Kennzahl auf den emotionalen Gewinn zu lenken: die Erleichterung des Kunden, die gewonnene Zeit, die gesteigerte Sicherheit. Dieses „Zahlen-Drama“ ist kein Trick, sondern das Herzstück einer Kommunikation, die nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz erreicht und die abstrakte Vision mit Leben füllt.

Leitbild oder Handlungsanweisung: Was braucht Ihr Team in unsicheren Zeiten dringender?

„Wir streben nach Exzellenz.“ „Innovation ist unsere DNA.“ „Der Kunde steht im Mittelpunkt.“ Solche Sätze zieren viele Hochglanzbroschüren und Wände in Konferenzräumen. Sie bilden das Leitbild – die grosse, oft abstrakte Vision des Unternehmens. In stabilen Zeiten mag das als inspirierender Horizont dienen. Doch wenn der Markt volatil wird, die Konkurrenz aggressiver auftritt oder eine interne Krise droht, brauchen Mitarbeiter mehr als Poesie. Sie brauchen einen Kompass für den Sturm. Sie brauchen keine abstrakten Werte, sondern prinzipienbasierte Handlungsanweisungen, die ihnen im Alltag konkrete Orientierung geben.

Der Unterschied ist fundamental. Ein Leitbild beschreibt das „Warum“ auf einer philosophischen Ebene. Eine Handlungsanweisung fokussiert auf das „Wie“ in einer spezifischen Situation. „Wir streben nach Exzellenz“ ist ein Wert. „Im Zweifel für den Kunden entscheiden“ ist ein Handlungsprinzip. Es gibt dem Mitarbeiter die Erlaubnis und die Sicherheit, eine Entscheidung zu treffen, ohne erst drei Hierarchieebenen um Erlaubnis fragen zu müssen. Es schafft Autonomie und Geschwindigkeit, genau dann, wenn sie am dringendsten benötigt werden.

Diese Klarheit ist ein entscheidender Faktor für die strategische Agilität eines Unternehmens. In der Praxis fehlt sie jedoch oft. Wie die folgende Übersicht basierend auf einer Analyse von kom.de zur internen Kommunikation zeigt, gibt es eine deutliche Lücke zwischen dem, was oft kommuniziert wird, und dem, was im operativen Geschäft wirklich hilft.

Leitbild vs. Prinzipienbasierte Handlungsanweisungen
Aspekt Klassisches Leitbild Prinzipienbasierte Handlungsanweisung
Fokus Das ‚Warum‘ – Vision und Werte Das ‚Wie‘ – konkrete Entscheidungshilfe
Flexibilität Abstrakt und interpretierbar Klar mit Handlungsspielraum
Praxisbezug Oft realitätsfern Direkt anwendbar im Alltag
Beispiel ‚Wir streben nach Exzellenz‘ ‚Im Zweifel für den Kunden entscheiden‘
Erfolgsquote 17% haben professionelle IK-Strategie 85% bewerten Führungskräfte-Einfluss als hoch

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während nur eine Minderheit eine professionelle IK-Strategie besitzt, wird der Einfluss der direkten Führungskraft als extrem hoch bewertet. Genau hier setzen Handlungsprinzipien an: Sie sind das Werkzeug, das Führungskräfte ihren Teams geben können, um die Strategie im Alltag eigenverantwortlich umzusetzen. Sie sind die Brücke zwischen der grossen Vision und der kleinen, aber entscheidenden Entscheidung am Montagmorgen.

Die „Buzzword-Falle“: Wie Management-Jargon das Vertrauen der Basis untergräbt

„Wir müssen unsere Synergien hebeln, um proaktiv die Low-Hanging-Fruits zu ernten und eine agile Transformation zu gewährleisten.“ Wenn Mitarbeiter solche Sätze hören, passiert meistens eines von zwei Dingen: Sie schalten mental ab oder sie fühlen sich ausgeschlossen. Management-Jargon, oft gut gemeint als Versuch, komplexen Sachverhalten einen Namen zu geben, wirkt in der Praxis wie eine Nebelwand. Er schafft keine Klarheit, sondern Distanz. Er vermittelt nicht Kompetenz, sondern den Eindruck, dass das Management in einer eigenen Welt lebt, die mit der Realität der Mitarbeiter wenig zu tun hat.

Dieses Phänomen ist mehr als nur ein Ärgernis; es ist ein handfester Vertrauenskiller. Sprache formt die Realität, und wenn die Unternehmenssprache als Fremdsprache empfunden wird, schafft das eine „Wir gegen die da oben“-Mentalität. Jedes unverständliche Buzzword ist ein kleiner Riss im Fundament des Vertrauens. Insbesondere jüngere Generationen reagieren sensibel auf diese Form der unauthentischen Kommunikation. Sie fühlen sich nicht nur ausgeschlossen, sondern empfinden den Jargon oft als Versuch, fehlende Substanz zu kaschieren. Die Vertrauens-Währung, die Sie als Führungskraft über Jahre aufgebaut haben, kann durch eine einzige, mit Buzzwords überladene Präsentation erheblich an Wert verlieren.

Der Ausweg aus der Buzzword-Falle ist radikale Einfachheit. Der „Wie-ein-Fünftklässler“-Test ist hier ein wirksames Mittel: Können Sie Ihre strategische Initiative in zwei einfachen Sätzen so erklären, dass ein Zehnjähriger das Ziel versteht? Wenn nicht, ist Ihre Botschaft zu kompliziert. Es geht nicht darum, die Mitarbeiter für dumm zu verkaufen, sondern darum, ihre kognitive Energie zu respektieren. Statt „Synergien hebeln“ könnten Sie sagen: „Wenn Marketing und Vertrieb enger zusammenarbeiten, können wir unsere Kunden besser beraten.“ Klar, direkt und ohne Nebel.

Ein mächtiges Werkzeug ist die gemeinsame Erstellung eines „Unternehmens-Wörterbuchs“. Identifizieren Sie zusammen mit den Teams die häufigsten Buzzwords und übersetzen Sie diese in konkrete Handlungen und Bedeutungen für den Arbeitsalltag. Das schafft nicht nur Klarheit, sondern ist auch ein starkes Zeichen der Wertschätzung und des Respekts gegenüber der Belegschaft. Es zeigt: Wir wollen, dass ihr uns versteht, weil eure Arbeit zählt.

Wann ist der perfekte Moment, um eine radikale Kursänderung zu verkünden?

Die Antwort auf diese Frage ist kontraintuitiv: Der perfekte Moment existiert nicht als einzelner Zeitpunkt. Er ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses. Eine radikale Kursänderung, die aus heiterem Himmel kommt, erzeugt fast immer Angst, Widerstand und einen massiven Vertrauensverlust. Der wahre „perfekte Moment“ ist jener, in dem die Belegschaft die Notwendigkeit der Veränderung bereits spürt, weil sie Teil einer offenen und transparenten Kommunikationskultur ist. Der Boden muss vorbereitet sein, lange bevor der Samen der Veränderung gesät wird.

Der Schlüssel liegt im Aufbau einer psychologischen Sicherheit. Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen und regelmässig in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, entwickeln ein grundlegendes Vertrauen in die Führung. Sie wissen, dass Entscheidungen nicht willkürlich über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Wenn in einer solchen Kultur eine Kursänderung nötig wird, wird sie nicht als Bedrohung, sondern als logische Konsequenz der sich ändernden Umstände wahrgenommen. Offene Kommunikationsstrukturen, in denen auch schlechte Nachrichten und Herausforderungen geteilt werden, sind die beste Versicherung gegen den Schock einer plötzlichen Kehrtwende.

Wenn die Veränderung unumgänglich ist, muss die Verkündung drei zentrale Fragen der Mitarbeiter proaktiv und ehrlich beantworten. Es geht nicht darum, die Realität zu beschönigen, sondern Klarheit und Orientierung zu geben. Die Mitarbeiter müssen die ehrliche Begründung verstehen („Warum wirklich?“), die persönlichen Auswirkungen auf ihre Rolle kennen („Was bedeutet das für mich?“) und wissen, an wen sie sich wenden können („Wem kann ich vertrauen?“). Das Fehlen dieser Antworten ist ein Nährboden für Gerüchte und Demotivation.

Die Führungskraft agiert in diesem Moment nicht als Verkünder, sondern als Lotse. Ihre Aufgabe ist es, den Kontext zu liefern, die Gründe plausibel zu machen und vor allem als verlässliche Stütze greifbar zu sein. Der „perfekte Moment“ ist also weniger ein Datum im Kalender, sondern der Höhepunkt einer sorgfältig gepflegten Vertrauenskultur, in der die Notwendigkeit für den Wandel bereits im kollektiven Bewusstsein verankert ist.

Warum kostet schlechte interne Kommunikation Unternehmen bis zu 10.000 € pro Mitarbeiter jährlich?

Schlechte interne Kommunikation ist kein „weicher“ Faktor, sondern ein knallharter Kostentreiber, der sich direkt in Ihrer Bilanz niederschlägt. Die Vorstellung, dass unklare Anweisungen oder fehlende Informationen nur zu etwas Frust führen, ist eine gefährliche Fehleinschätzung. Die finanziellen Auswirkungen sind real, messbar und enorm. Wenn die Vision nicht beim Mitarbeiter ankommt, entstehen Reibungsverluste, die jeden Tag Geld kosten – durch verschwendete Zeit, korrigierte Fehler und verpasste Chancen.

Konkrete Zahlen belegen das Ausmass des Problems. Eine Studie von Mitel und Webtorials belegt, dass Unternehmen durch ineffiziente Kommunikation enorme Summen verlieren; für Deutschland liegt der Wert bei rund 9.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Das ist kein theoretischer Wert, sondern die Summe vieler kleiner Ineffizienzen. Die Studie zeigt weiter, dass Arbeitnehmer im Schnitt 12 % ihrer wöchentlichen Arbeitszeit – also fast fünf Stunden – allein durch Kommunikationsprobleme verlieren. Das ist Zeit, in der sie nach Informationen suchen, Missverständnisse klären oder auf Freigaben warten, anstatt wertschöpfend zu arbeiten.

Doch wo genau entstehen diese Kosten? Sie setzen sich aus mehreren, oft unsichtbaren Faktoren zusammen, die sich über das Jahr zu beträchtlichen Summen addieren. Von der Zeit, die für die Suche nach der richtigen Information aufgewendet wird, bis hin zu den teuren Korrekturen von Fehlern, die auf unklaren Briefings basieren – die Kostentreiber sind vielfältig.

Die versteckten Kostentreiber schlechter Kommunikation
Kostenfaktor Zeitverlust Finanzielle Auswirkung
Informationssuch-Steuer 2 Stunden/Woche 3.700 €/Jahr bei 37€ Stundenlohn
Fehlerkorrektur-Abgabe 9-11 Tage/Jahr 2.500-3.000 €/Jahr
Innovations-Vakuum Nicht messbar Opportunitätskosten durch nicht geäusserte Ideen
Vertrauensverlust-Zinseszins Kumulativ steigend Exponentielle Kostensteigerung
Fluktuation Bis zu 150% des Jahresgehalts pro Kündigung

Die Tabelle verdeutlicht, dass die direkten Zeitverluste nur die Spitze des Eisbergs sind. Die wahren Kosten liegen in den Opportunitätskosten – den nicht geäusserten Ideen, weil Mitarbeiter sich nicht als Teil der Strategie fühlen – und den exponentiell steigenden Kosten durch Vertrauensverlust und erhöhte Fluktuation. In die Übersetzung Ihrer Vision zu investieren, ist also keine Ausgabe, sondern eine der rentabelsten Investitionen in die Produktivität und Stabilität Ihres Unternehmens.

Selbstbild oder Fremdbild: Woran sollten Sie arbeiten, wenn die Umsätze stagnieren?

Wenn die Umsätze stagnieren, richtet sich der Blick oft nach aussen: auf den Markt, die Konkurrenz, die Kunden. Doch häufig liegt die Wurzel des Problems im Inneren – in der Kluft zwischen dem Selbstbild des Unternehmens und dem Bild, das bei den eigenen Mitarbeitern und damit indirekt bei den Kunden ankommt. Wenn die interne Wahrnehmung der Unternehmensziele und -identität diffus ist, wie kann dann nach aussen ein klares, überzeugendes Signal gesendet werden? Die Arbeit am Fremdbild beim Kunden beginnt mit der Klärung des Selbstbildes bei den Mitarbeitern.

Die interne Realität ist oft ernüchternd. Die strategischen Ziele, die für Sie als CEO im Zentrum stehen, sind für einen Grossteil der Belegschaft unbekanntes Terrain. Dies bestätigt Prof. Dr. Ansgar Zerfass von der Universität Leipzig in einer Studie zur Unternehmenskommunikation. Er stellt fest, dass die Kommunikationsabteilungen oft falsch eingeschätzt werden, was zu einer massiven Wahrnehmungslücke führt.

Im mittleren Management kennen 58%, bei den Mitarbeitenden lediglich 40% die Ziele der Kommunikation. Man schätzt sie überwiegend als Träger operativer Funktionen, weniger aufgrund ihrer strategischen Aufgaben.

– Prof. Ansgar Zerfass, Universität Leipzig Studie zur Unternehmenskommunikation

Diese Aussage ist ein Alarmsignal. Wenn nicht einmal die Hälfte der Mitarbeiter die Ziele der Kommunikation kennt, bedeutet das, dass die strategische Absicht auf dem Weg versickert. Die Kommunikation wird zur reinen Verteilungsmaschinerie für operative Informationen degradiert, anstatt als strategischer Partner für die Sinnstiftung zu agieren. Diese Lücke hat direkte Auswirkungen: Ein Mitarbeiter, der das „grosse Bild“ nicht kennt, kann im Kundenkontakt nur Standardprozeduren abarbeiten. Er kann nicht beraten, nicht begeistern und nicht die Werte des Unternehmens authentisch vertreten. Das Markenversprechen wird zur leeren Hülse.

Stagnierende Umsätze sind daher oft ein Symptom für ein tieferliegendes Identitätsproblem. Bevor Sie also neue Marketingkampagnen starten oder Vertriebsstrategien überarbeiten, sollten Sie den Blick nach innen richten. Arbeiten Sie daran, die Kluft zwischen Ihrem strategischen Selbstbild und der Wahrnehmung Ihrer Mitarbeiter zu schliessen. Denn nur wenn Ihr Team die Vision nicht nur kennt, sondern auch lebt, kann es diese Überzeugung an den Kunden weitergeben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kosten schlechter Kommunikation sind real und messbar (bis zu 9.000 € pro Mitarbeiter in Deutschland jährlich).
  • Konkrete Handlungsprinzipien sind in Krisenzeiten wirksamer als abstrakte Leitbilder, da sie Orientierung im Alltag geben.
  • Vertrauen ist eine Währung, die durch klaren, jargonfreien Austausch verdient und durch Buzzwords zerstört wird.

Wie schaffen Sie eine Identität, die Kunden anzieht und Bewerber überzeugt?

Eine starke Unternehmensidentität ist der Magnet, der sowohl die richtigen Kunden als auch die besten Talente anzieht. Doch diese Identität ist kein Hochglanzprodukt der Marketingabteilung. Sie ist das authentische Ergebnis dessen, was im Unternehmen jeden Tag gelebt wird. Sie entsteht im Spannungsfeld zwischen dem Markenversprechen nach aussen (was wir Kunden versprechen) und dem Mitarbeiterversprechen nach innen (was wir als Arbeitgeber bieten). Die grösste Herausforderung und zugleich die grösste Chance liegt darin, diese beiden Versprechen in perfekte Kongruenz zu bringen.

Wenn Ihr Unternehmen nach aussen für „herausragenden Service“ wirbt, Ihre Servicemitarbeiter aber durch starre Prozesse und mangelnde Entscheidungsfreiheit frustriert sind, ist Ihre Identität gebrochen. Der Kunde spürt diese Dissonanz. Umgekehrt, wenn Sie eine Kultur der „Innovation“ fördern, dies aber nicht im Markt sichtbar wird, verpufft das interne Engagement. Eine wirksame Identität braucht daher Identitäts-Resonanz: Sie muss innen wie aussen auf die gleiche Frequenz schwingen. Das bedeutet, dass jede strategische Entscheidung daraufhin überprüft werden muss, ob sie beide Seiten der Medaille stärkt.

Ihre Mitarbeiter sind dabei Ihre wichtigsten und glaubwürdigsten Markenbotschafter. Weit vor jeder Werbekampagne oder Hochglanzbroschüre. Wenn ein Mitarbeiter aus Überzeugung von seinem Arbeitgeber spricht, hat das eine ungleich höhere Anziehungskraft – sowohl auf potenzielle Kunden als auch auf Top-Bewerber. Die Investition in eine klare, gelebte interne Identität ist somit die nachhaltigste Form des Marketings und des Employer Brandings.

Ihr Aktionsplan: Der Identitäts-Lackmustest

  1. Bei jeder strategischen Entscheidung zwei Kernfragen stellen.
  2. Frage 1: Stärkt diese Entscheidung unsere Identität und unser Versprechen in den Augen der Kunden?
  3. Frage 2: Stärkt diese Entscheidung unsere Identität und unser Versprechen in den Augen unserer Mitarbeiter?
  4. Nur wenn beide Fragen mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden, sollte die Massnahme mit Priorität umgesetzt werden.
  5. Regelmässig die Wahrnehmungs-Kongruenz prüfen: Entspricht das, was wir nach aussen versprechen, der täglichen Erfahrung unserer Mitarbeiter?

Dieser einfache Test zwingt Sie, jede Initiative aus einer doppelten Perspektive zu betrachten. Er hilft, eine schizophrene Identität zu vermeiden und stellt sicher, dass Sie ein Unternehmen aufbauen, das nicht nur erfolgreich ist, sondern auch authentisch und integer. Eine solche Identität ist in der heutigen Welt der grösste Wettbewerbsvorteil.

Indem Sie eine kohärente und authentische Identität schaffen, legen Sie das Fundament für nachhaltigen Erfolg auf allen Ebenen.

Der Weg von einer abstrakten Vision zu einer von allen gelebten Realität ist ein Marathon, kein Sprint. Der erste Schritt besteht darin, die interne Kommunikation nicht länger als Kostenstelle, sondern als strategisches Kerninstrument zur Wertschöpfung zu begreifen. Beginnen Sie noch heute damit, die vorgestellten Prinzipien in Ihre Führungsarbeit zu integrieren und die entscheidenden Sinn-Brücken in Ihrem Unternehmen zu bauen.

Fragen und Antworten zur Strategiekommunikation

Warum wirklich? (Die ehrliche Begründung)

Mitarbeiter brauchen transparente, nachvollziehbare Gründe für Veränderungen, ohne Beschönigung. Die Ursache für Widerstand liegt oft darin, dass rund 40 % der Beschäftigten mit der Vision und den Zielen des Unternehmens nicht vertraut sind.

Was bedeutet das konkret für MICH?

Die persönlichen Auswirkungen müssen klar benannt werden: Veränderungen am Arbeitsplatz, bei den Aufgaben oder den Entwicklungschancen. Unklarheit hier ist ein Hauptgrund für Unzufriedenheit, denn laut Studien ziehen 61 % einen Jobwechsel wegen schlechter interner Kommunikation in Betracht.

Wem kann ich vertrauen, wenn es schwierig wird?

Es ist entscheidend, klare Ansprechpartner und sichere Eskalationspfade zu definieren. Die direkten Führungskräfte müssen in Veränderungsprozessen als verlässliche, greifbare und informierte Stützen positioniert werden, um Gerüchten und Unsicherheit vorzubeugen.

Geschrieben von Elke Vonberg, Senior Organisationsentwicklerin und Expertin für Change Management mit Fokus auf die Überwindung von Silodenken und interner Kommunikation. Sie verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Begleitung von mittelständischen Unternehmen durch komplexe Transformationsprozesse und kulturellen Wandel.