
Die Modernisierung Ihrer IT ist kein unkontrollierbares Risiko, sondern eine steuerbare Sanierung. Der Schlüssel liegt nicht im radikalen Austausch, sondern in einer chirurgischen, schrittweisen Entkopplung.
- Technische Schulden sind keine abstrakte Metapher, sondern ein messbares Sicherheits- und Geschäftsrisiko, das proaktiv adressiert werden muss.
- Methoden wie das „Strangler Fig Pattern“ ermöglichen die risikofreie Migration selbst kritischer Systeme wie ERPs bei laufendem Betrieb.
Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit einem „Big Bang“, sondern identifizieren Sie eine einzelne, kritische Funktion Ihres Altsystems und kapseln Sie diese als ersten, risikoarmen Modernisierungsschritt.
Als IT-Verantwortlicher in einem gewachsenen Unternehmen kennen Sie das Gefühl: Sie sitzen in einem goldenen Käfig. Ihre IT-Systeme, einst das Rückgrat des Erfolgs, sind zu einem starren Korsett geworden. Sie funktionieren – irgendwie. Aber jede Änderung ist ein Wagnis, jede neue Anforderung ein Kampf. Die Rufe nach „Cloud“, „KI“ und „digitaler Transformation“ werden lauter, doch der Gedanke an eine Migration des zentralen ERP-Systems oder anderer kritischer Anwendungen gleicht dem Versuch, das Triebwerk eines Flugzeugs im Flug auszutauschen. Die Angst vor Betriebsausfällen, Datenverlust und explodierenden Kosten lähmt jede Initiative.
Die üblichen Ratschläge – ein radikaler „Big Bang“-Wechsel oder eine vage formulierte „schrittweise Migration“ – greifen zu kurz. Sie ignorieren die Realität vernetzter, über Jahrzehnte gewachsener Anwendungslandschaften. Was wäre aber, wenn der Ansatz fundamental falsch ist? Wenn die Modernisierung nicht als Abriss und Neubau, sondern als eine präzise, chirurgische Sanierung am offenen Herzen des Unternehmens verstanden wird? Der wahre Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Frage, *welche* Technologie man einführt, sondern *wie* man die alte, wertvolle Substanz sicher und kontrolliert in die Zukunft überführt.
Dieser Artikel stellt die gängige „Alles-oder-Nichts“-Logik infrage. Er bietet Ihnen einen strategischen Rahmen, um Ihre IT-Modernisierung als einen Prozess der kontinuierlichen Risikominimierung zu gestalten. Wir werden beleuchten, warum selbst Marktführer an dieser Herausforderung scheitern, und Ihnen praxiserprobte Methoden an die Hand geben, mit denen Sie die Fesseln Ihrer Legacy-Systeme sprengen, ohne die Stabilität Ihres Geschäftsbetriebs zu gefährden. Es ist an der Zeit, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Um diese komplexe Herausforderung strukturiert anzugehen, haben wir diesen Leitfaden in acht zentrale strategische Fragen unterteilt. Jede Sektion baut auf der vorherigen auf und bietet Ihnen einen klaren Weg von der strategischen Analyse bis zur konkreten Umsetzung.
Sommaire : Ein strategischer Leitfaden zur risikofreien IT-Sanierung
- Warum übersehen Marktführer oft die Gefahr von unten (Innovator’s Dilemma)?
- Wie migrieren Sie ein ERP-System: Big Bang oder schrittweise Ablösung?
- Cloud oder eigener Server: Was ist bei Cyber-Angriffen wirklich sicherer?
- Das Risiko der „technischen Schulden“: Wann wird alte Software zum Sicherheitsrisiko?
- Wann lohnt sich das Leasing von Hardware statt Kauf in Zeiten schneller Innovation?
- Welche neuen Einfallstore für Hacker öffnet die Vernetzung Ihrer Fabrik?
- Kaufen oder selbst entwickeln: Was ist langfristig die günstigere Strategie?
- Wie nutzen Sie KI und IoT, um echte Probleme zu lösen, statt nur Trends zu folgen?
Warum übersehen Marktführer oft die Gefahr von unten (Innovator’s Dilemma)?
Das „Innovator’s Dilemma“ beschreibt ein Paradox: Erfolgreiche Unternehmen scheitern oft nicht, weil sie schlechte Entscheidungen treffen, sondern weil sie zu lange die richtigen Entscheidungen für ihr etabliertes Geschäftsmodell treffen. Sie optimieren bestehende, profitable Produkte für ihre anspruchsvollsten Kunden und übersehen dabei disruptive Technologien, die zunächst minderwertig erscheinen, aber neue Märkte schaffen. Blockbuster, das sein Filialnetz perfektionierte und Netflix‘ Streaming-Modell als Nischenprodukt abtat, ist das Paradebeispiel. Doch die wahre Gefahr lauert heute oft im Inneren, nicht nur am Markt.
Die moderne Form dieses Dilemmas ist die interne Disruption durch technische Schulden. Unternehmen kanalisieren ihre besten Ressourcen in die Wartung und inkrementelle Verbesserung profitabler, aber veralteter Legacy-Systeme. Innovative Projekte werden an den hohen ROI-Erwartungen des Kerngeschäfts gemessen und scheitern, weil sie kurzfristig nicht mithalten können. Das Problem ist, dass die Vernachlässigung der technologischen Basis selbst zu einer disruptiven Kraft wird. Eine aktuelle Studie bestätigt diesen internen Druck: 41 % der Führungskräfte sehen KI-bedingte technische Schulden als eine der grössten Herausforderungen für ihre Zukunftsfähigkeit an.
Diese Fixierung auf das Bestehende schafft ein Vakuum. Während die Kern-IT stagniert, entstehen neue, agile Wettbewerber, die ohne technologische Altlasten starten können. Für etablierte Unternehmen ist die entscheidende Frage daher nicht, ob man innovieren soll, sondern wie man die Organisation so strukturiert, dass Innovation neben dem Kerngeschäft existieren und wachsen kann. Dies erfordert oft autonome Geschäftseinheiten oder Teams, die von den starren Prozessen und Kennzahlen des etablierten Unternehmens befreit sind und neue Technologien und Plattformen entwickeln können.
Letztlich geht es darum, einen Weg zu finden, das laufende Geschäft zu schützen und gleichzeitig die Grundlagen für zukünftiges Wachstum zu schaffen – eine Gratwanderung, die eine bewusste Abkehr von alten Erfolgsrezepten erfordert.
Wie migrieren Sie ein ERP-System: Big Bang oder schrittweise Ablösung?
Die Migration eines Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systems ist eine der gefürchtetsten Aufgaben in der IT. Die „Big Bang“-Methode, bei der das alte System an einem Stichtag komplett durch das neue ersetzt wird, verspricht einen klaren Schnitt, birgt aber ein enormes Risiko. Ein Fehler kann den gesamten Geschäftsbetrieb lahmlegen. Die Alternative, eine schrittweise Ablösung, klingt sicherer, führt aber oft zu einer komplexen, schwer zu verwaltenden Koexistenz zweier Systeme über Jahre. Es gibt jedoch einen dritten Weg, der die Vorteile beider Ansätze kombiniert: das Strangler Fig Pattern.
Diese nach einer Würgefeige benannte Methode sieht vor, das monolithische Altsystem nicht auf einmal zu ersetzen, sondern es schrittweise mit neuen Services zu „umwachsen“ und ihm so langsam die Funktionen zu entziehen. Der Prozess beginnt mit der Implementierung einer Fassade, typischerweise eines API-Gateways, die den gesamten Datenverkehr zum Altsystem abfängt. Anschliessend wird eine erste, klar abgrenzbare Funktion (z.B. die Lagerbestandsprüfung) als neuer, eigenständiger Service entwickelt und der Verkehr für diese Funktion vom Gateway an den neuen Service umgeleitet. Das Altsystem wird so Stück für Stück „stranguliert“, bis es am Ende vollständig durch neue, entkoppelte Services ersetzt wurde und abgeschaltet werden kann.

Der entscheidende Vorteil dieser Methode ist die massive Risikominimierung. Anstelle eines einzigen, hochriskanten Go-Live-Events gibt es viele kleine, kontrollierbare Migrationsschritte. Tritt ein Problem auf, betrifft es nur eine einzelne Komponente und der Datenverkehr kann sofort wieder auf das stabile Altsystem zurückgeleitet werden. Ein Fortune-500-Hersteller nutzte diesen Ansatz erfolgreich, um sein SAP-basiertes Auftragsmanagement zu modernisieren. Das Ergebnis: Zero Downtime während der gesamten Transition und als Nebeneffekt 40 % schnellere Abfragen der Bestandsinformationen durch den neuen, optimierten Service.
Vergleich der Migrationsstrategien
Die folgende Tabelle stellt die zentralen Unterschiede zwischen dem riskanten „Big Bang“-Ansatz und dem kontrollierten „Strangler Fig Pattern“ gegenüber und verdeutlicht, warum letzteres in komplexen Umgebungen oft die überlegene Strategie darstellt.
| Kriterium | Big Bang (Greenfield) | Strangler Pattern |
|---|---|---|
| Risiko | Hoch – Vollständiger Rollback bei Fehler | Niedrig – Nur betroffene Teile betroffen |
| Time-to-Value | Lange Wartezeit bis Go-Live | Schneller ROI durch frühe Adoption neuer Komponenten |
| Komplexität | Einfacher Cutover-Punkt | Parallelbetrieb zweier Systeme erforderlich |
| Business Continuity | Potenzielle Ausfallzeiten | Zero Downtime garantiert |
| Rollback-Möglichkeit | Komplett oder gar nicht | Granulare Kontrolle pro Komponente |
Diese Methode verwandelt eine gefürchtete Revolution in eine beherrschbare Evolution. Sie ermöglicht es Unternehmen, sofort von neuen Technologien zu profitieren und den Wert ihrer Investitionen schneller zu realisieren, während das Kerngeschäft ungestört weiterläuft.
Cloud oder eigener Server: Was ist bei Cyber-Angriffen wirklich sicherer?
Die Debatte „Cloud vs. On-Premise“ wird oft auf eine falsche Dichotomie reduziert. Die Frage ist nicht, welcher Ort per se sicherer ist, sondern welche Architektur die besseren Werkzeuge zur Risikokontrolle bietet. Ein schlecht konfigurierter Cloud-Server ist genauso unsicher wie ein ungepatchter Server im eigenen Keller. Die eigentliche Sicherheitslücke in gewachsenen Unternehmen sind weder die Cloud noch der eigene Server, sondern veraltete Systeme ohne moderne Sicherheitsarchitekturen. Dies bestätigt auch eine Studie, laut der 72 % der Unternehmen IT-Security als Haupttreiber für die Anwendungsmodernisierung sehen.
Moderne Sicherheit verlässt sich nicht mehr auf das Burggraben-Prinzip („aussen hart, innen weich“). Stattdessen setzt sie auf eine Zero-Trust-Architektur. Das Grundprinzip lautet: „Vertraue niemandem, verifiziere immer“. Jeder Zugriff, ob von intern oder extern, wird als potenziell feindlich eingestuft und muss authentifiziert und autorisiert werden. Dieser Ansatz ist ortsunabhängig und kann sowohl in der Cloud als auch auf eigenen Servern implementiert werden. Grosse Cloud-Anbieter (AWS, Azure, GCP) bieten jedoch hochentwickelte Werkzeuge für Identitätsmanagement, granulare Zugriffskontrollen und automatisierte Bedrohungserkennung, die für einzelne Unternehmen oft nur mit sehr hohem Aufwand selbst zu entwickeln wären.
Die wahre Stärke der Cloud liegt in der Möglichkeit, Sicherheit als programmierbaren Code zu behandeln (Security as Code). Dies ermöglicht die Automatisierung von Sicherheitsrichtlinien, kontinuierliche Schwachstellenscans und eine lückenlose Protokollierung aller Zugriffe. Bei einer schrittweisen Modernisierung mittels Strangler Fig Pattern kann die Cloud ihre Stärken voll ausspielen: Neue, entkoppelte Services werden von Beginn an nach Zero-Trust-Prinzipien in einer sicheren Cloud-Umgebung entwickelt, während das Altsystem hinter einem API-Gateway geschützt bleibt. Dieses Gateway agiert als zentraler Kontrollpunkt, der strikte Authentifizierung und Ratenbegrenzung (Throttling) gegen DoS-Angriffe durchsetzt, bevor eine Anfrage das verwundbare Altsystem überhaupt erreicht.
Aktionsplan: Implementierung einer Zero-Trust-Architektur während der Migration
- Strikte Identitätsverifizierung: Implementieren Sie Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für jeden Benutzer und jedes System, das auf neue oder alte Komponenten zugreift.
- API-Gateway-Absicherung: Aktivieren Sie Funktionen wie Throttling und Request-Validierung am API-Gateway, um die Legacy-Systeme vor Überlastungs- und Injektionsangriffen zu schützen.
- Kontinuierliches Scannen: Führen Sie während des gesamten Migrationsprozesses automatisierte Schwachstellenscans für alle neuen und alten Systemkomponenten durch.
- Integritätsprüfung: Nutzen Sie Checksummen und digitale Signaturen, um die Integrität von Daten sicherzustellen, die zwischen dem Altsystem und neuen externen Integrationen ausgetauscht werden.
- Granulare Zugriffskontrolle: Etablieren Sie minimale Rechteprinzipien („Least Privilege“) und definieren Sie exakt, welcher neue Service mit welchem Teil des Altsystems kommunizieren darf.
Sicherheit ist letztlich kein Zustand, sondern ein Prozess. Ein modernes, architektonisch sauberes System in der Cloud ist weitaus sicherer als ein veralteter Monolith im eigenen Rechenzentrum. Die Modernisierung ist somit der effektivste Weg zur Erhöhung der Cybersicherheit.
Das Risiko der „technischen Schulden“: Wann wird alte Software zum Sicherheitsrisiko?
Der Begriff „technische Schulden“ wird oft als Metapher für unsauberen Code oder aufgeschobene Refactorings verwendet. Doch in der Realität sind technische Schulden ein handfestes, bilanziell relevantes Risiko mit direkten finanziellen Konsequenzen. Sie entstehen, wenn man bewusst oder unbewusst kurzfristig einfache Lösungen wählt, die langfristig zu höheren Wartungs- und Anpassungskosten führen. Jeder Workaround, jede fehlende Dokumentation, jede veraltete Bibliothek ist eine aufgenommene „Schuld“, für die irgendwann „Zinsen“ in Form von verlangsamter Entwicklung, erhöhter Fehleranfälligkeit und steigenden Sicherheitsrisiken gezahlt werden müssen.
Das Hauptproblem ist, dass diese Schulden über die Zeit kumulieren und sich gegenseitig verstärken. Eine veraltete Programmiersprache macht es unmöglich, moderne Sicherheitsbibliotheken zu nutzen. Fehlende Testabdeckung führt dazu, dass jede kleine Änderung das Risiko eines Systemausfalls birgt. Irgendwann ist der „Schuldenberg“ so hoch, dass jede Weiterentwicklung zum Erliegen kommt und das System nur noch im „lebenserhaltenden“ Modus betrieben wird. Laut einer umfassenden Studie befürchten 88 % der IT-Entscheidungsträger, dass technische Schulden ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Sie werden zur grössten Innovationsbremse im Unternehmen.

Der Punkt, an dem alte Software zum akuten Sicherheitsrisiko wird, ist erreicht, wenn keine Sicherheitsupdates vom Hersteller mehr bereitgestellt werden (End-of-Life). Ab diesem Moment ist jede neu entdeckte Schwachstelle ein offenes Einfallstor ohne Aussicht auf Schliessung. Doch die Gefahr beginnt schon früher: Veraltete Architekturen lassen sich oft nicht mit modernen Authentifizierungsverfahren (wie MFA) oder Monitoring-Tools integrieren. Sie werden zu „schwarzen Löchern“ in der Sicherheitslandschaft. Ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt ist der Fachkräftemangel. Entwickler, die sich mit COBOL oder veralteten Java-Versionen auskennen, gehen in Rente, während junge Talente Unternehmen mit hohen technischen Schulden meiden. Dies führt zu einem Teufelskreis aus steigenden Wartungskosten und sinkender Arbeitgeberattraktivität, was die Fluktuation erhöht und wertvolles Wissen vernichtet.
Technische Schulden unbehandelt zu lassen, ist keine Sparmassnahme, sondern eine Wette gegen die Zukunft des eigenen Unternehmens. Eine proaktive Sanierung ist keine Ausgabe, sondern eine Investition in die Handlungsfähigkeit und Sicherheit von morgen.
Wann lohnt sich das Leasing von Hardware statt Kauf in Zeiten schneller Innovation?
Die traditionelle IT-Beschaffung folgte einem einfachen Modell: Hardware wurde als Anlagevermögen gekauft (Capital Expenditure, CapEx), über mehrere Jahre abgeschrieben und am Ende ihres Lebenszyklus ersetzt. In einer Zeit, in der sich technologische Sprünge wie die Entwicklung von KI-Beschleunigern oder Quantencomputing im Jahresrhythmus vollziehen, wird dieses Modell zunehmend zum Klotz am Bein. Die Entscheidung zwischen Kauf (CapEx) und Leasing bzw. Cloud-Nutzung (Operational Expenditure, OpEx) ist daher keine rein buchhalterische, sondern eine strategische Weichenstellung für die Agilität des Unternehmens.
Der Kauf von Hardware bindet Kapital langfristig. Eine hohe Anfangsinvestition für eine Server-Farm, die in drei Jahren möglicherweise veraltet ist, stellt ein erhebliches finanzielles Risiko dar. Leasing oder die Nutzung von Infrastructure-as-a-Service (IaaS) in der Cloud verlagern dieses Risiko auf den Anbieter. Die Kosten werden zu planbaren, monatlichen Betriebsausgaben, was die Liquidität schont und eine flexible Skalierung ermöglicht. Benötigt ein Projekt kurzfristig massive Rechenleistung, kann diese „auf Knopfdruck“ hinzugebucht und nach Abschluss wieder abbestellt werden. Diese Pay-as-you-go-Logik passt perfekt zu modernen, agilen Entwicklungsmethoden.
Ein weiterer entscheidender Vorteil von OpEx-Modellen ist die Reduzierung des Management-Aufwands. Bei gekaufter Hardware ist die IT-Abteilung für Wartung, Updates, Sicherheit und den physischen Austausch verantwortlich. Bei Leasing- oder Cloud-Modellen übernimmt der Anbieter einen Grossteil dieser Aufgaben. Dies gibt den internen IT-Teams die Freiheit, sich von reinen „Systemadministratoren“ zu „Business Enablern“ zu entwickeln, die sich auf die strategische Weiterentwicklung der Anwendungslandschaft konzentrieren können, anstatt Server zu patchen. Die folgende Tabelle verdeutlicht die fundamentalen Unterschiede zwischen den beiden Finanzierungsmodellen.
| Aspekt | CapEx (Kauf) | OpEx (Leasing/Cloud) |
|---|---|---|
| Bilanzauswirkung | Aktivierung als Anlagevermögen | Laufende Betriebskosten |
| Liquidität | Hohe Anfangsinvestition | Pay-as-you-go Modell |
| Flexibilität | Langfristige Bindung | Skalierbar nach Bedarf |
| Technologie-Updates | Manueller Austausch nötig | Automatische Updates möglich |
| Kostenallokation | Zentrale IT-Kosten | Direkte Zuordnung zu Geschäftsbereichen |
Die Entscheidung für Leasing oder Cloud ist somit oft dann die richtige, wenn technologische Unsicherheit hoch ist, der Bedarf schwankt und Agilität einen höheren strategischen Wert hat als die langfristige Kontrolle über physische Assets.
Welche neuen Einfallstore für Hacker öffnet die Vernetzung Ihrer Fabrik?
Die Konvergenz von Informationstechnologie (IT) und Betriebstechnologie (Operational Technology, OT) – also die Vernetzung von Büronetzwerken mit der Maschinensteuerung in der Fabrikhalle – ist der Schlüssel zur „Industrie 4.0“. Sie ermöglicht Predictive Maintenance, optimierte Lieferketten und eine flexible Produktion. Gleichzeitig reisst sie den traditionell gut geschützten „Burggraben“ um die Produktionsanlagen ein und schafft eine Fülle neuer Angriffsvektoren. Während ein Angriff auf die IT-Systeme „nur“ zu Datenverlust oder finanziellen Schäden führt, kann ein erfolgreicher Angriff auf die OT-Systeme Maschinen beschädigen, die Produktion stilllegen oder sogar Menschenleben gefährden.
Das Kernproblem ist der „Culture Clash“ der beiden Welten. IT-Systeme sind auf Vertraulichkeit und Integrität von Daten ausgelegt und haben kurze Lebenszyklen. OT-Systeme (wie SPS-Steuerungen) sind auf maximale Verfügbarkeit und Sicherheit ausgelegt, haben Lebenszyklen von 15-20 Jahren und wurden oft ohne jegliche Netzwerksicherheits-Features entwickelt. Sie „sprechen“ andere Protokolle und ihre Software kann oft nicht einfach gepatcht werden, ohne den Garantieanspruch des Herstellers zu verlieren oder die gesamte Produktionslinie für einen Test stilllegen zu müssen. Legacy-Systeme in der OT sind daher ein besonders gravierendes Problem, da sie die operative Effizienz direkt beeinträchtigen. Eine Studie zeigt, dass 32 % der Unternehmen von 26-50 % längeren Bearbeitungszeiten durch veraltete Systeme berichten – ein direkter Kostenfaktor in der Produktion.
Die neuen Einfallstore sind vielfältig: schlecht gesicherte IoT-Sensoren, Wartungszugänge von Drittanbietern, die direkt ins OT-Netz führen, oder ein einzelner infizierter Laptop eines Technikers. Der Angreifer muss nicht mehr physisch in die Fabrik einbrechen; er kann sich vom Büronetzwerk lateral in das Produktionsnetzwerk bewegen. Eine absolute Priorität ist daher die strikte Netzwerksegmentierung. Das IT- und das OT-Netzwerk müssen durch Firewalls (Demilitarisierte Zonen, DMZ) getrennt werden, und die Kommunikation zwischen ihnen darf nur über definierte, streng kontrollierte Kanäle erfolgen. Eine Zero-Trust-Architektur ist hier unerlässlich, insbesondere für die Verwaltung von Zugriffen durch externe Partner und Lieferanten.
Checkliste: Sicherheitsmassnahmen für die OT/IT-Konvergenz
- Netzwerksegmentierung: Implementieren Sie eine strikte logische und physische Trennung von IT- und OT-Netzwerken mithilfe von Firewalls und DMZs.
- Zero-Trust für Externe: Etablieren Sie eine Zero-Trust-Architektur, bei der jeder Zugriff von Partnern oder Lieferanten auf OT-Systeme einzeln verifiziert und minimal berechtigt wird.
- IoT-Inventarisierung: Erstellen Sie ein vollständiges Inventar aller vernetzten Geräte im OT-Netzwerk und führen Sie regelmässige Schwachstellenscans durch.
- API-Sicherheit: Verstärken Sie die Sicherheit der APIs, die als Brücke zwischen alten OT-Systemen und neuen IT-Anwendungen dienen, durch Authentifizierung, Autorisierung und Verschlüsselung.
- Supply-Chain-Risikobewertung: Führen Sie eine detaillierte Risikobewertung für alle vernetzten Systeme und Softwarekomponenten durch, die von externen Lieferanten stammen.
Ohne ein durchdachtes Sicherheitskonzept, das die Trennung und Kontrolle der Netzwerke in den Mittelpunkt stellt, wird die smarte Fabrik schnell zu einem unkalkulierbaren Risiko für das gesamte Unternehmen.
Kaufen oder selbst entwickeln: Was ist langfristig die günstigere Strategie?
Die Entscheidung zwischen dem Kauf einer Standardsoftware („Buy“) und der Entwicklung einer massgeschneiderten Lösung („Build“) ist eine der fundamentalsten Weichenstellungen in der IT-Strategie. Eine oberflächliche Kostenbetrachtung, die nur die initialen Lizenz- oder Entwicklungskosten vergleicht, führt fast immer in die Irre. Die langfristig günstigere Strategie lässt sich nur durch eine ehrliche Analyse der Total Cost of Ownership (TCO) und des strategischen Werts der Software für das Unternehmen ermitteln.
Bei einer Eigenentwicklung („Build“) machen die initialen Programmierkosten oft nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus. Die TCO muss zwingend die langfristigen Aufwände für Wartung, Bugfixing, Dokumentation, die Weiterbildung des Entwicklerteams und vor allem die Sicherstellung der Wartbarkeit über den Lebenszyklus der ursprünglichen Entwickler hinaus einbeziehen. Ein Unternehmen, das über 10 Jahre in eine Eigenentwicklung investiert hat, muss sicherstellen, dass das System auch dann noch anpassbar ist, wenn die Experten, die es gebaut haben, das Unternehmen verlassen haben – eine häufig unterschätzte, massive Kostenfalle.
Eine strukturierte Methode zur Entscheidungsfindung bietet das Konzept des „Wardley Mapping“. Es klassifiziert Softwarekomponenten danach, wie sichtbar sie für den Kunden sind und wie weit ihre technologische Entwicklung fortgeschritten ist. Daraus lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten:
| Komponententyp | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Commodity Services (z.B. E-Mail-System) | Kaufen/Mieten | Standardlösungen sind verfügbar; hier lässt sich kein Wettbewerbsvorteil erzielen. |
| Utility Services (z.B. Datenbank, Hosting) | Cloud/SaaS | Skalierung, Wartung und Sicherheit werden effizient vom Anbieter übernommen. |
| Differenzierende Features (z.B. proprietärer Algorithmus) | Selbst entwickeln | Dies ist die Kernkompetenz und der strategische Wettbewerbsvorteil, der geschützt und ausgebaut werden muss. |
| Emerging Technologies (z.B. neue KI-Anwendung) | Hybrid/Partner | Risiko minimieren, indem man Expertise extern einkauft oder mit Partnern aufbaut, anstatt alles von Grund auf neu zu erfinden. |
Die günstigste Strategie ist daher nicht pauschal „Buy“ oder „Build“, sondern ein intelligenter Mix: Kaufen Sie, was Standard ist, und entwickeln Sie nur das selbst, was Sie einzigartig macht. Jede Stunde, die ein hochbezahlter Entwickler an einem Standard-Login-Formular arbeitet, ist eine verlorene Stunde, die er nicht in den echten Wettbewerbsvorteil Ihres Unternehmens investieren kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Kontinuierliche Sanierung statt riskanter Revolution: Betrachten Sie IT-Modernisierung als einen chirurgischen Prozess der Risikominimierung, nicht als „Big Bang“.
- Das Strangler Fig Pattern ist eine praxiserprobte Methode, um kritische Altsysteme bei laufendem Betrieb sicher und schrittweise abzulösen.
- Technische Schulden sind ein quantifizierbares Geschäftsrisiko. Ihre proaktive Reduzierung ist eine Investition in Sicherheit und zukünftige Handlungsfähigkeit.
Wie nutzen Sie KI und IoT, um echte Probleme zu lösen, statt nur Trends zu folgen?
Generative KI, das Internet der Dinge (IoT) und Predictive Analytics dominieren die Schlagzeilen. Der Druck, diese „Trend-Technologien“ zu adoptieren, ist enorm. Eine weltweite Umfrage zeigt, dass GenKI die Ausgabenabsichten für Data Science anführt. Doch viele Unternehmen verfallen in einen technologiegetriebenen Aktionismus: Sie führen eine neue Technologie ein und suchen anschliessend nach einem passenden Problem. Dieser Ansatz führt zu teuren Pilotprojekten ohne echten Business Case, die als „Proof of Concept“ enden und nie in die produktive Nutzung übergehen.
Ein strategisch überlegener Ansatz ist die „Problem-First“-Methode. Anstatt zu fragen: „Was können wir mit KI machen?“, lautet die richtige Frage: „Was ist unser grösstes operatives, messbares Problem und kann Technologie bei der Lösung helfen?“. Identifizieren Sie einen konkreten Schmerzpunkt, der sich in Kennzahlen (KPIs) ausdrücken lässt – sei es eine zu hohe Ausschussrate in der Produktion, unerwartete Maschinenausfallzeiten oder eine ineffiziente Tourenplanung in der Logistik. Messen Sie den Ist-Zustand und definieren Sie einen klaren Zielwert. Erst dann evaluieren Sie, ob und welche Technologie (IoT, KI oder vielleicht auch nur eine einfachere Automatisierung) den grössten Hebel zur Erreichung dieses Ziels bietet.
Ein typisches Anwendungsfeld ist die Modernisierung von „dummen“ Anlagen, die keine Daten liefern. Anstatt die gesamte Maschine zu ersetzen, können IoT-Sensoren für wenige hundert Euro nachgerüstet werden, um Vibrations-, Temperatur- oder Verbrauchsdaten zu sammeln. Diese Daten können zunächst für einfaches Monitoring genutzt werden. Im nächsten Schritt kann auf Basis dieser historischen Daten ein Predictive-Maintenance-Modell trainiert werden, das drohende Ausfälle vorhersagt, bevor sie eintreten. Ein weiterer, oft übersehener Anwendungsfall für KI ist die Modernisierung selbst: KI-gestützte Tools können heute bereits dabei helfen, Legacy-Code (z.B. von COBOL nach Java) automatisch zu analysieren, zu dokumentieren und sogar teilweise zu übersetzen. Hier löst die Technologie direkt das Kernproblem der technischen Schulden.
Aktionsplan: Die „Problem-First“-Methode für KI/IoT
- Problemidentifikation: Identifizieren Sie Ihr grösstes, quantifizierbares operatives Problem (z.B. Ausschussrate, Maschinenausfallzeit, Bearbeitungsdauer).
- KPI-Messung: Messen Sie die aktuellen KPIs, die dieses Problem beschreiben, und definieren Sie einen ambitionierten, aber realistischen Zielwert.
- Lösungsevaluation: Prüfen Sie erst jetzt, ob KI, IoT oder eine andere Technologie eine effektive Lösung zur Erreichung des Zielwerts bieten kann.
- Gezielte Nachrüstung: Starten Sie bei Bedarf mit der IoT-Nachrüstung an „dummen“ Anlagen, um die notwendige Datengrundlage für Predictive Maintenance zu schaffen.
- KI für die Sanierung: Nutzen Sie KI-gestützte Werkzeuge zur Code-Analyse und -Modernisierung, um den Abbau technischer Schulden zu beschleunigen.
KI und IoT sind kein Selbstzweck, sondern Werkzeuge. Ihr wahrer Wert entfaltet sich erst, wenn sie zur Lösung realer, messbarer Geschäftsprobleme eingesetzt werden. Analysieren Sie daher jetzt Ihre technischen Schulden und operativen Engpässe, um den ersten, risikoarmen Modernisierungsschritt mit dem grössten Hebel zu definieren.