Veröffentlicht am Juli 16, 2024

Die Flut an Digitalprojekten ist kein Zeichen von Fortschritt, sondern ein Symptom fehlender strategischer Fokussierung, das Budgets und Talente verbrennt.

  • Der Schlüssel liegt darin, das IT-Portfolio nicht als To-do-Liste, sondern als Investment-Portfolio zu managen, das konsequent auf den „Return on Digital Investment“ (RODI) optimiert wird.
  • Erfolgreiche Initiativen, insbesondere im KI-Bereich, basieren nicht auf Hype, sondern auf einem soliden, qualitativ hochwertigen Daten-Fundament, das oft übersehen wird.

Empfehlung: Wechseln Sie die Perspektive vom Projekt-Umsetzer zum strategischen Portfolio-Manager. Ihre Aufgabe ist nicht, „Ja“ zu jeder Idee zu sagen, sondern die wenigen strategischen Wetten zu identifizieren und zu finanzieren, die das Unternehmen wirklich voranbringen.

Als Chief Digital Officer stehen Sie täglich im Spannungsfeld: Die Fachbereiche fordern neue Tools, das Management erwartet bahnbrechende KI-Lösungen und die bestehende IT-Landschaft ächzt unter der Last technischer Schulden. Die Folge ist ein ausuferndes Portfolio an Digitalprojekten, bei dem die besten Talente zwischen Dutzenden Initiativen aufgerieben werden und Budgets versickern, ohne messbaren Mehrwert zu generieren. Die üblichen Ratschläge wie „besseres Projektmanagement“ oder die „Ausrichtung der IT an den Geschäftszielen“ greifen hier zu kurz. Sie behandeln die Symptome, nicht die Ursache des Problems.

Die Wahrheit ist, dass viele Digitalisierungsvorhaben aus Aktionismus oder dem Wunsch entstehen, keinen Trend zu verpassen. Sie sind oft schlecht definierte „Vanity-Projekte“, die Ressourcen binden, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Das Ergebnis ist eine strategische Lähmung durch operative Hektik. Doch was wäre, wenn die Lösung nicht darin bestünde, mehr Projekte besser zu managen, sondern radikal weniger Projekte exzellent umzusetzen? Wenn Ihr Fokus nicht auf der Abarbeitung einer Wunschliste, sondern auf der Maximierung des „Return on Digital Investment“ (RODI) liegen würde?

Dieser Artikel bricht mit den herkömmlichen Ansätzen. Er liefert Ihnen als CDO praxiserprobte Frameworks und Denkmuster, um Ihr Projektportfolio mit der kühlen Effizienz eines Investment-Managers zu sanieren. Wir werden untersuchen, warum ein solides Daten-Fundament wichtiger ist als jeder KI-Hype, wie Sie Millionen-Investitionen strategisch priorisieren und wie Sie Ihre IT-Landschaft modernisieren, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. Es ist an der Zeit, das Projekt-Chaos zu beenden und Ihre digitalen Ressourcen auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt: maximalen strategischen Impact.

Dieser Leitfaden bietet Ihnen einen strukturierten Überblick über die entscheidenden Hebel, mit denen Sie als CDO die Kontrolle zurückgewinnen und die digitale Transformation gezielt steuern. Das folgende Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die strategischen Kernthemen.

Warum scheitern KI-Projekte oft an fehlenden Basis-Datenstrukturen?

Der Druck, künstliche Intelligenz zu implementieren, ist enorm. Laut aktuellen Zahlen nutzen bereits 20% der deutschen Unternehmen KI-Technologien, ein rasanter Anstieg. Doch viele dieser Initiativen sind zum Scheitern verurteilt, bevor sie überhaupt beginnen. Der Grund ist simpel, wird aber oft ignoriert: Es fehlt das stabile Daten-Fundament. KI-Modelle sind keine magischen Blackboxes; sie sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert werden. In vielen Unternehmen sind Daten jedoch in Silos gefangen, von inkonsistenter Qualität oder schlicht nicht in der benötigten strukturierten Form vorhanden.

Ein KI-Projekt zu starten, ohne vorher eine saubere, zugängliche und qualitativ hochwertige Datenbasis zu schaffen, ist wie der Versuch, ein Hochhaus auf einem Sumpf zu errichten. Es führt unweigerlich zu unzuverlässigen Ergebnissen, explodierenden Kosten für die Datenbereinigung und letztendlich zum Scheitern des gesamten Projekts. Als CDO müssen Sie dem Hype widerstehen und die Priorität auf die unglamouröse, aber essenzielle Vorarbeit legen: die Schaffung einer robusten Datenarchitektur. Dies ist keine Verzögerung, sondern die wichtigste risikomindernde Massnahme für jede zukünftige digitale Initiative.

Der strategische Fokus muss also zuerst auf „Data Readiness“ liegen. Anstatt sofort ein teures KI-Team aufzubauen, investieren Sie in die Identifizierung, Konsolidierung und qualitative Anreicherung Ihrer Kerndaten. Erst wenn dieses Fundament steht, können Sie gezielte, kosteneffiziente Pilotprojekte starten, die eine realistische Chance auf Erfolg und einen messbaren ROI haben. Alles andere ist eine Verschwendung von Ressourcen und beschädigt das Vertrauen der Organisation in die digitale Transformation.

Wie nutzen Sie die Eisenhower-Matrix für Millionen-Investitionen in IT?

Die klassische Eisenhower-Matrix – die Einteilung von Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit – ist ein nützliches Werkzeug für das persönliche Zeitmanagement. Für die Priorisierung von IT-Investitionen im Millionenbereich ist sie jedoch zu simpel. Als CDO müssen Sie sie zu einem strategischen Instrument weiterentwickeln. Die Achsen „wichtig“ und „dringend“ müssen neu und schärfer definiert werden: „Wichtigkeit“ wird zum strategischen Impact (Beitrag zu den Top-3-Unternehmenszielen), und „Dringlichkeit“ wird zur Markt-Opportunität oder zum Risiko (z.B. Verlust von Marktanteilen, Compliance-Verstösse).

Diese Neuausrichtung verändert die Diskussion fundamental. Ein Projekt ist nicht mehr „wichtig“, weil ein lauter Abteilungsleiter es fordert, sondern weil es nachweislich eine strategische Kennzahl bewegt. Es geht nicht mehr um die Abarbeitung von Aufgaben, sondern um die Platzierung von strategischen Wetten. Wie Ulrich Rötzer, ein Experte für IT-Portfoliomanagement, betont, sind hierfür konsistente Instrumente entscheidend. Er erklärt: „Konsistente Bewertungs-, Steuerungs- und Kontrollinstrumente ermöglichen eine optimale Einplanung und Priorisierung der Projekte“. Die adaptierte Matrix ist ein solches Instrument.

Die vier Quadranten erhalten damit eine klare Handlungsanweisung für Ihr Investment-Portfolio:

  • Hoher Impact, hohe Dringlichkeit: Das sind Ihre Top-Projekte. Hier bündeln Sie Ihre besten Ressourcen und setzen sie sofort um.
  • Hoher Impact, geringe Dringlichkeit: Ihre strategischen Wetten. Planen Sie diese sorgfältig, bauen Sie Prototypen und sichern Sie die Budgets für die mittel- bis langfristige Umsetzung.
  • Geringer Impact, hohe Dringlichkeit: Die „Fallen“. Oft sind das operative Probleme oder Anfragen, die laut schreien. Delegieren, standardisieren oder automatisieren Sie diese. Vermeiden Sie es, hier Top-Talente zu binden.
  • Geringer Impact, geringe Dringlichkeit: Ihr „Nein“-Quadrant. Diese Projekte werden konsequent eliminiert oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Hier betreiben Sie aktive Portfolio-Hygiene.

Diese strategische Sichtweise auf die Priorisierung hilft Ihnen, fundierte Entscheidungen zu treffen und diese gegenüber dem Management und den Fachbereichen zu verteidigen. Die Visualisierung unten symbolisiert die Notwendigkeit, verschiedene Projektelemente sorgfältig abzuwägen, um ein ausgewogenes und schlagkräftiges Portfolio zu schaffen.

Strategische Projektpriorisierung mit modernen Analysemethoden visualisiert

Durch die Anwendung dieser modifizierten Matrix verwandeln Sie eine reaktive Projektliste in ein proaktiv gesteuertes Investment-Portfolio. Sie investieren nicht in das, was am lautesten ruft, sondern in das, was den grössten Hebel für den Unternehmenserfolg hat.

Kaufen oder selbst entwickeln: Was ist langfristig die günstigere Strategie?

Die Entscheidung zwischen dem Kauf einer Standardsoftware (Buy) und der Entwicklung einer massgeschneiderten Lösung (Build) ist eine der fundamentalsten Weichenstellungen im IT-Management. Oft wird sie auf Basis der initialen Lizenz- oder Entwicklungskosten getroffen – ein fataler Fehler. Die wahre Kostenbelastung wird erst über den gesamten Lebenszyklus sichtbar. Eine Forrester-Analyse zeigt, dass oft bis zu 78% der Gesamtkosten einer Software nach der initialen Entwicklung anfallen, für Wartung, Support, Integration und Weiterentwicklung.

Die „Buy“-Option verspricht eine schnelle Implementierung und geringere Anfangskosten. Sie birgt jedoch das Risiko, dass die eigenen, einzigartigen Geschäftsprozesse in ein starres Software-Korsett gezwängt werden müssen. Dies kann langfristig die Agilität des Unternehmens hemmen und zu hohen Kosten für Anpassungen und Workarounds führen. Die „Build“-Option hingegen bietet maximale Flexibilität und die Möglichkeit, einen echten Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Der Preis dafür sind höhere Anfangsinvestitionen, längere Entwicklungszeiten und die volle Verantwortung für die Total Cost of Ownership (TCO).

Die strategisch reifere Antwort ist daher selten ein pures „Buy“ oder „Build“, sondern ein hybrider Ansatz. Dieses „Blend“-Modell kombiniert gezielt Standardkomponenten mit Eigenentwicklungen. Die Regel lautet: Standardisieren Sie, was keinen Wettbewerbsvorteil bringt (z.B. Buchhaltungssoftware), und entwickeln Sie selbst, was Ihr Kerngeschäft einzigartig macht (z.B. ein proprietärer Preisgestaltungsalgorithmus). Dieser differenzierte Ansatz ermöglicht eine optimale Balance aus Kostenkontrolle, Flexibilität und Zukunftsfähigkeit. Er erlaubt es Ihnen, Ressourcen dort zu investieren, wo sie den grössten strategischen Hebel haben, anstatt das Rad für Standardfunktionen neu zu erfinden.

Als CDO müssen Sie bei jeder neuen Anforderung die Frage nach dem strategischen Differenzierungsfaktor stellen. Nur wenn eine Eigenentwicklung einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil schafft, ist sie die langfristig „günstigere“ Strategie, auch wenn die initialen Kosten höher sind. In allen anderen Fällen ist der Zukauf und die Anpassung von Standardlösungen der effizientere Weg.

Warum werden IT-Projekte immer teurer und wie stoppen Sie das Anforderungs-Monster?

Es ist ein bekanntes Phänomen in der IT: Projekte starten mit einem klaren Ziel und einem definierten Budget, doch im Laufe der Zeit ufern sie aus, werden immer komplexer und teurer. Dieses Phänomen, bekannt als Scope Creep oder das „Anforderungs-Monster“, ist einer der Hauptgründe für das Scheitern von Digitalprojekten. Eine Studie von McKinsey aus dem Jahr 2024 belegt dies eindrücklich: Grosse IT-Projekte überschreiten ihr Budget im Schnitt um 45% und verzögern sich um 7%. Dieses Monster wird durch eine Flut von „nur noch diese kleine Funktion“-Wünschen aus den Fachbereichen genährt.

Das Problem liegt oft in einem fehlenden, rigorosen Change-Management-Prozess. Ohne klare Regeln und einen definierten Prozess zur Bewertung neuer Anforderungen hat der Projektleiter keine Handhabe, „Nein“ zu sagen. Das Projekt wird zu einem Spielball verschiedener Interessen. Um das Anforderungs-Monster zu zähmen, müssen Sie als CDO einen stabilen Käfig aus Prozessen und Regeln errichten.

Einige der wirksamsten Massnahmen sind:

  • Change Budget einplanen: Planen Sie von Anfang an ein separates Budget von ca. 15% der Projektkosten für Änderungen ein. Jede neue Anforderung wird gegen dieses Budget verrechnet, was die Kosten transparent macht.
  • Tollgate Review Process: Etablieren Sie feste Meilensteine (Tollgates), an denen der Projektfortschritt und alle neuen Anforderungen von einem Steuerungsgremium bewertet werden. Nur genehmigte Änderungen werden umgesetzt.
  • Requirements Engineer einsetzen: Eine dedizierte Rolle, die als Schnittstelle zwischen IT und Fachbereichen fungiert, Anforderungen professionell aufnimmt, priorisiert und deren Auswirkungen bewertet, ist Gold wert.

Die visuelle Metapher von gestapelten Münzen unten verdeutlicht, wie sich kleine, unkontrollierte Ausgaben summieren und die Budgetkontrolle untergraben können. Jede nachträgliche Anforderung ist eine weitere Münze, die den Turm instabiler macht.

Visuelle Darstellung der Budgetkontrolle und Kostenentwicklung in IT-Projekten

Indem Sie einen disziplinierten Prozess für das Anforderungsmanagement etablieren, schützen Sie nicht nur Ihr Budget und Ihre Zeitpläne, sondern auch die strategische Ausrichtung des Projekts. Sie stellen sicher, dass nur Änderungen umgesetzt werden, die einen echten Mehrwert liefern und nicht nur das Projekt aufblähen.

Wie bündeln Sie Ihre besten Talente auf das eine Projekt, das die Firma rettet?

Ihre wertvollste und knappste Ressource sind nicht die Budgets, sondern die kreativen und produktiven Köpfe in Ihren Teams. Die grösste Verschwendung in vielen Unternehmen ist die Fragmentierung dieser Talente auf zu viele Projekte gleichzeitig. Das ständige Wechseln zwischen Kontexten, das sogenannte „Context Switching“, hat einen verheerenden Effekt auf die Produktivität. Studien zeigen einen Produktivitätsverlust von bis zu 40% bei Top-Talenten, die auf drei statt nur einem Projekt arbeiten. Effektiv verlieren Sie fast zwei Arbeitstage pro Woche pro Mitarbeiter.

Die Lösung liegt in der radikalen Fokussierung. Anstatt Ihre besten Leute als „10%-Ressource“ auf fünf verschiedene Projekte zu verteilen, bündeln Sie sie zu 100% auf das eine, strategisch wichtigste Projekt. Das erfordert Mut und die Fähigkeit, zu vielen anderen, vermeintlich wichtigen Anfragen „Nein“ zu sagen. Dies ist der Kern des strategischen Portfolio-Managements: Nicht alle Bälle in der Luft zu halten, sondern den einen Ball zu fangen, der das Spiel gewinnt.

Um dieses „eine Projekt“ zu identifizieren, reichen klassische Priorisierungsmethoden oft nicht aus. Hier kommen proaktive Ansätze wie die Szenariomodellierung ins Spiel. Sciforma Research unterstreicht diesen Punkt in einer aktuellen Studie:

Was-wäre-wenn-Szenarien bieten einen proaktiven Ansatz für das IT-Portfoliomanagement und ermöglichen es Teams, potenzielle Herausforderungen zu erkennen. Unternehmen sollten bei der Bewertung von IT-Projekten prädiktive Szenariomodelle in den Entscheidungsprozess einbeziehen.

– Sciforma Research, IT-Portfoliomanagement Studie 2024

Spielen Sie verschiedene Zukunftsszenarien durch: Was passiert, wenn ein Wettbewerber ein neues Produkt auf den Markt bringt? Was, wenn sich die Regulierung ändert? Welches Ihrer Projekte bietet die beste Antwort auf die grössten Chancen und Risiken? Das Projekt mit der robustesten positiven Auswirkung über verschiedene Szenarien hinweg ist Ihr Top-Kandidat. Auf dieses Projekt setzen Sie Ihre A-Player – konzentriert und mit voller Kraft.

Wie migrieren Sie ein ERP-System: Big Bang oder schrittweise Ablösung?

Die Modernisierung eines zentralen Enterprise-Resource-Planning (ERP)-Systems ist eine der riskantesten und komplexesten Operationen am offenen Herzen eines Unternehmens. Die traditionelle Debatte dreht sich um zwei Ansätze: den „Big Bang“, bei dem das alte System an einem Stichtag komplett durch das neue ersetzt wird, und die schrittweise Ablösung, bei der Module über einen längeren Zeitraum migriert werden. Der Big Bang birgt ein enormes operatives Risiko – wenn etwas schiefgeht, steht das gesamte Unternehmen still. Die schrittweise Ablösung reduziert dieses Risiko, führt aber oft zu einer langen und kostspieligen Phase, in der zwei Systeme parallel betrieben werden müssen.

Moderne Ansätze suchen einen intelligenteren Mittelweg, der das Risiko minimiert, aber dennoch zügig Mehrwert liefert. Eine solche Methode ist die Canary Release-Strategie. Hier wird das neue System oder ein neues Modul zunächst nur für eine kleine, kontrollierte Nutzergruppe (den „Kanarienvogel“) freigeschaltet. Deren Erfahrungen und die System-Performance werden genau überwacht. Funktioniert alles reibungslos, wird der Nutzerkreis schrittweise erweitert, bis das alte System vollständig abgelöst ist. Dies ermöglicht eine risikoarme Validierung im Live-Betrieb.

Ein noch fundamentalerer Ansatz ist die Data-First-Methode. Anstatt sich auf die Ablösung von Prozessen oder Modulen zu konzentrieren, liegt der erste Fokus auf der Schaffung eines sauberen, zentralen Daten-Hubs. Neue und alte Systeme greifen parallel auf diesen Hub zu, was die Datenintegrität über den gesamten Migrationsprozess sicherstellt. Erst wenn die Datenbasis stabil ist, werden die umliegenden Anwendungsmodule schrittweise ausgetauscht. Dieser Ansatz hat den entscheidenden Vorteil, dass er die Migration nutzt, um alte „Prozess-Schulden“ zu identifizieren und zu eliminieren, anstatt sie einfach in das neue System zu kopieren.

Ihr Aktionsplan: Die Data-First-Methode für eine sichere ERP-Migration

  1. Zentralen Data Hub schaffen: Definieren Sie die Etablierung eines sauberen, zentralen Datenkerns als absolute Priorität Nummer eins, bevor Anwendungslogik migriert wird.
  2. Parallelen Zugriff ermöglichen: Konfigurieren Sie sowohl das alte als auch das neue System so, dass sie parallel auf den zentralen Data Hub zugreifen. Dies gewährleistet Datenkonsistenz während der Übergangsphase.
  3. Module schrittweise ablösen: Tauschen Sie einzelne ERP-Module iterativ aus, während die kontinuierliche Datenintegrität durch den Hub sichergestellt bleibt.
  4. Prozess-Schulden eliminieren: Nutzen Sie die Migration als Chance, veraltete und ineffiziente Prozesse zu identifizieren und neu zu gestalten, anstatt sie 1:1 in das neue System zu kopieren.
  5. Integrierte Teams bilden: Fördern Sie die enge Verzahnung von IT und Business in cross-funktionalen Teams, um sicherzustellen, dass die technologische Erneuerung direkt den geschäftlichen Anforderungen dient.

Dieser strategische Ansatz verwandelt ein reines IT-Projekt in eine fundamentale Geschäftstransformation, die das Unternehmen agiler und datengetriebener macht.

Wann hilft die Blockchain wirklich gegen Fälschungen und wann ist sie nur teure Datenbank?

Blockchain ist eine der am meisten gehypten Technologien der letzten Jahre, oft als Allheilmittel für Sicherheit und Transparenz angepriesen. Für einen CDO ist es jedoch entscheidend, den Hype von der Realität zu trennen. Die Kernaussage von Experten ist klar: „Blockchain ist dann wertvoll, wenn mehrere Parteien, die sich gegenseitig nicht vertrauen, einen gemeinsamen, unveränderlichen Zustand teilen müssen.“ In fast allen anderen Fällen ist eine traditionelle, digital signierte Datenbank mit einem Audit-Log die deutlich schnellere, günstigere und effizientere Lösung.

Der Hauptanwendungsfall, in dem Blockchain ihren Wert ausspielt, ist die Schaffung eines dezentralen, fälschungssicheren Registers in einem Netzwerk ohne zentrale Autorität – zum Beispiel in der Lieferkettenverfolgung, wo Hersteller, Logistiker, Zoll und Händler Transaktionen validieren müssen. Wenn Sie jedoch innerhalb Ihres Unternehmens oder mit vertrauenswürdigen Partnern arbeiten, also eine zentrale Kontrollinstanz existiert, bringt die Blockchain meist mehr Probleme als Lösungen. Das sogenannte „Oracle-Problem“ bleibt ungelöst: Die Blockchain kann zwar die Unveränderlichkeit eines Eintrags garantieren, aber nicht, dass die ursprünglich eingegebene Information korrekt war („Garbage in, garbage out“).

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Kriterien gegenüber und hilft Ihnen, eine rationale Entscheidung zu treffen, anstatt dem Marketing-Sprech zu erliegen.

Blockchain vs. Digital signierte Datenbank: Eine strategische Gegenüberstellung
Kriterium Blockchain Digital signierte DB mit Audit-Log
Transaktionskosten Hoch (Energie + Netzwerkgebühren) Niedrig (oft unter 5% der Blockchain-Kosten)
Geschwindigkeit Langsam (Minuten bis Stunden) Schnell (Millisekunden)
Vertrauen zwischen Parteien Nicht erforderlich (Trustless-System) Erforderlich (Vertrauen in den Betreiber)
Oracle-Problem Ungelöst (Validität der realen Daten) Nicht anwendbar bei zentraler Kontrolle
Fälschungsschutz Sehr hoch nach Eintragung Hoch durch kryptografische Signaturen und Audit-Trail

Für die meisten unternehmensinternen Anwendungsfälle, einschliesslich des Schutzes vor interner Manipulation, bietet eine gut konzipierte, kryptografisch gesicherte Datenbank einen vergleichbaren Schutz bei einem Bruchteil der Kosten und der Komplexität. Investieren Sie in Blockchain nur dann, wenn Sie ein Multi-Parteien-Problem ohne zentrale Vertrauensinstanz lösen müssen. Ansonsten finanzieren Sie eine sehr teure und langsame Datenbank.

Das Wichtigste in Kürze

  • Portfolio-Denken statt Projekt-Management: Behandeln Sie Ihre Digitalinitiativen wie ein Investment-Portfolio, das auf maximalen strategischen Return (RODI) optimiert wird, nicht wie eine Abarbeitungsliste.
  • Daten-Fundament vor KI-Hype: Investieren Sie zuerst in eine saubere, qualitativ hochwertige und zugängliche Dateninfrastruktur. Sie ist die unumgängliche Basis für jede erfolgreiche KI-Anwendung.
  • Radikale Fokussierung der Talente: Bündeln Sie Ihre besten Mitarbeiter zu 100% auf die wenigen, strategisch entscheidenden Projekte, anstatt ihre Produktivität durch permanentes Context Switching zu zerstören.

Wie modernisieren Sie Ihre IT-Landschaft, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden?

Die Notwendigkeit, veraltete Legacy-Systeme zu modernisieren, ist unbestreitbar. Doch die Angst, den laufenden Betrieb zu stören, führt oft zu einer gefährlichen Aufschieberitis. Ein kompletter Relaunch ist riskant, aber nichts zu tun, erhöht die technischen Schulden und mindert die Wettbewerbsfähigkeit. Der Schlüssel liegt in evolutionären, risikoarmen Modernisierungsstrategien, die es Ihnen ermöglichen, die IT-Landschaft schrittweise zu erneuern, während das Geschäft ungestört weiterläuft.

Eine der bewährtesten Methoden hierfür ist das Strangler Fig Pattern (Würgefeigen-Muster). Der Name stammt von einer Feigenart, die einen anderen Baum umschlingt und langsam dessen Platz einnimmt. Übertragen auf die IT bedeutet dies: Anstatt ein altes System auf einen Schlag zu ersetzen, bauen Sie neue Funktionen als separate Services um das alte System herum. Jedes Mal, wenn eine neue Anforderung kommt, wird sie im neuen Service implementiert. Nach und nach wird der Datenverkehr und die Logik vom alten auf das neue System umgeleitet, bis das alte System „erwürgt“ ist und gefahrlos abgeschaltet werden kann.

Um diese schrittweise Migration sicher zu steuern, sind Feature Toggles (oder Feature Flags) ein unverzichtbares Werkzeug. Dabei handelt es sich um Schalter im Code, mit denen Sie neue Funktionen für bestimmte Nutzergruppen aktivieren oder deaktivieren können, ohne eine neue Version der Software ausrollen zu müssen. Dies ermöglicht es Ihnen, neue Features im Live-Betrieb mit echten Nutzern zu testen. Im Fehlerfall kann die Funktion mit einem Klick sofort wieder deaktiviert werden, ohne dass ein aufwendiger Rollback des gesamten Systems nötig ist. So entkoppeln Sie das Deployment (das Ausrollen von Code) vom Release (der Freischaltung für Nutzer) und gewinnen maximale Kontrolle und Sicherheit.

Diese evolutionären Ansätze minimieren das Projektrisiko drastisch. Sie verwandeln ein monolithisches Mammutprojekt in eine Serie kleiner, überschaubarer und kontrollierbarer Schritte. So können Sie Ihre IT-Landschaft kontinuierlich modernisieren und gleichzeitig sicherstellen, dass der Motor des Unternehmens – der laufende Betrieb – niemals ins Stottern gerät.

Ein nachhaltiger Modernisierungsansatz ist das Ziel jeder reifen IT-Strategie. Um dorthin zu gelangen, ist es essenziell, die grundlegenden Prinzipien, wie das Schaffen eines soliden Daten-Fundaments, nie aus den Augen zu verlieren.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Projektportfolio nicht als To-do-Liste, sondern als strategisches Investment zu bewerten. Fordern Sie für jede Initiative einen klaren Business Case, der ihren Beitrag zum „Return on Digital Investment“ quantifiziert, und haben Sie den Mut, „Nein“ zu allem zu sagen, was Ihr Unternehmen nicht entscheidend voranbringt.

Geschrieben von Sarah Linne, Enterprise IT-Architektin und Beraterin für digitale Transformation. Sie hilft Unternehmen seit über 10 Jahren dabei, Legacy-Systeme zu modernisieren, ERP-Migrationen zu steuern und datengetriebene Entscheidungswege zu implementieren.